18451007 01 Tornado Basel BS

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Aus "Bericht über die Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel":

"5. Nov. 1845. Herr Rathsherr Peter Merian: Ueber die Dienstags den 7.October 1845 in Basel beobachtete Windhose.

Gegen 1 Uhr Nachmittags zog aus SW eine dunkle Wolke heran, so dass allgemein die Ansicht herrschte es nahe sich ein schnell heranziehendes Gewitter. Personen, welche die WOlke genau ins Auge fassten, nahmen an derselben eine wirbelnde Bewegung wahr. Sie gestaltete sich auch zu einer heftigen Windhose, über deren WIrkung nachstehende Notizen gesammelt worden sind, die indess nicht auf Vollständigkeit Anspruch machen.

Die dunkle wirbelnde Wolke zog über den Hügel von St. Margarethen heran. Von zerstörenden Wirkungen auf dem Hügel selbst ist nichts bekannt geworden. An der Heimathgasse, unfern von Ostertag'schen Gundeldingen, wurde ein starker Baum in der Richtung Ost gegen West gefällt. Es fiel an diesem Punkte aus der Wolke ein starker Regen, was bei der Fortbewegung weiter nordostwärts nicht mehr in demselben Masse statt fand. Auf dem Gut des Hrn. Vondermühll-Bischoff, nächst dem Sommer-Casino, wurde die Glaswand eines Sommerkabinets zerstört. Das Glas davon verschwand spurlos. Der Eigenthümer, welcher die Wand halten wollte, wurde mit Gewalt zu Boden geworfen. Auf der nahen Strasse wurde ein Mädchen in die Höhe gehoben. Im Gute von Frau Vischer-Legrand wurde ein Baum zerrissen. Gleichzeitig wurde einwärts, an der Strasse zwischen dem genannten Gute und dem Aeschenthor, und auswärts im Sommer-Casino, bloss ein starker Wind wahrgenommen. Ein ziemlich starker gesunder Nussbaum im langen Gässlein wurde entwurzelt. Die Strohwellen ab einem durch dieses Gässlein fahrenden Wagen wurden in die Höhe gewirbelt, und eine davon bis in den Stadtgraben getragen. In dem an dieser Stelle ziemlich tiefen Stadtgraben wurde ein Obstbaum zerrissen. Von dem neuen Magazin der Herren Burckhardt und Vondermühll, am Ende der St. Albanvorstadt, wurden eine Menge Ziegel heruntergeworfen. An der Reihe der Pappelbäume im Innern der Vorstadt, nächst dem St. Albanthor, verlor der innerste, am meisten stadteinärts stehende, einen Ast. Die Schildwache vor dem Thor merkte gleichzeitig wenig von dem ganzen Ereigniss.

Am meisten Verheerung wurden in der unmittelbar nordostwärts von diesem Punkte gelegenen Vertiefung des St. Albanthals, im Garten des Herrn Pfarrers Thurneysen angerichtet. 39 grosse und kleine Bäume wurden daselbst grösstentheils entwurzelt, theilweise zerrissen. Unter diesen Bäumen waren etwa ein Dutzend von bedeutender Grösse und Stärke. Die an der nördlichen Mauer des Gartens gepflanzten Spalierbäume, und die Spalier selbst, wurden der ganzen Breite nach total weggerissen. Von der Dachstuhle des an der Ostseite des Gartens liegenden alten Hauses, wurde eine Masse von Ziegeln heruntergeworfen. Ein starker Nussbaum am Ost-Ende des Gartens wurde auf die Seite gedrückt, und in seinen Wurzeln aufgelockert; er blieb indess stehen, obgleich in schiefer Stellung. Der Schauplatz der Verheerung nahm hier eine Breite von ungefähr 100 Schritten ein. Das ganze Phänomen dauerte nur wenige Sekunden. Gleichzeitig fielen wenige starke Regentropfen und ein Donnerschlag erfolgte unmittelbar nach der eingetretenen Zerstörung. Etwas mehr ostwärts, im Garten des Herrn Heussler-Fatio wurden zwei morsche Bäume zerrissen.

Die Windhose bewegte sich von da über das nördlich gelegene Haus, warf auf dessen Nordseite Ziegel von Dach herunter und gelangte an den Rhein, wo ein am Ufer mit einer Kette gefestigter Kahn übergestürzt wurde. Auf dem unmittelbar auswärts vom Stadtgraben gelegenen Gute des Gàrtners Vogel im Weidengässlein, wurde ein Baum zerrissen.

Mehrere Beobachter sahen die Windhose von da langsam sich Rheinaufwärts bewegen, einen weiten wirbelnden Trichter im Wasser des Rheins bildend und Wasser in die Höhe spritzend. Sie erreichte das jenseitige Ufer bei dem Gute Solitute des Herrn Hoffmann-Preiswerk, woselbst sie die Bäume mächtig erschütterte, aber keine weitern Zerstörungen mehr veranlasste.
Wàhrend diesem Vorgänge wurde mehr westwärts ein Wind wahrgenommen, der aber stark an Stärke abnahm, so wie man von der durch die Windhose eingeschlagenen Bahn sich entfernte. Auf dem Münsterplatze wurden die Blätter noch in die Höhe gewirbelt; an der Augustinergasse herrschte aber völlige Windstille; eben so auf der Rheinbrücke. Es fielen auf der letztern einzelne starke Regentropfen aus einer scharf abgeschnittenen Wolke, so dass man die Tropfen mit der Handauffangen konnte, während man selbst im Trockenen blieb.

Es verdient hervorgehoben zu werden:

1. Dass das Phänomen gerade an einigen tief gelegenen Punkten verheerend gewirkt hat. So scheinen die Zerstörungen nichta uf der Höhe des Hügels von St. Margarethen, sondern erst an dessen Fuss, an der Heimathgasse angefangen zu haben. Sie fanden statt im tiefen Stadtgraben, und am stärksten im St. Albanthal, unmittelbar unter der Erhöhung der St. Albanvorstadt.

2. Zeichnet man auf einer Karte den Gang der Windhose auf, so bewegte sich diese im Allgemeinen in der Richtung von SW nach NO, aber nicht in einer völlig geraden Linie. Der Weg vom Vischer'schen Gute zum Thurneysen'schen Garten biebt etwas gegen Westen ab im Verhältniss zum Wege von der Heimathgasse bis zu dem erstern der genannten Punkte; vom Thurneysen'schen Garten nach der Solitude ergiebt sich eine noch merklichere Abweichung gegen Osten bei der Fortsetzung des Weges.

3. Den 14. Sep. ungefähr um 2 Uhr Nachmittags zerstörte eine frühere Windhose 3 Bäume im Gute von Frau Vischer-Legrand beim Sommer-Casino. Ein Phänomen, welches so selten beobachtet wird, ist also innerhalb eines Zeitraums von wenig mehr als 3 Wochen über denselben Punkt weggegangen. "

Quelle: http://books.google.com/books?id=x9pJAAAAYAAJ&dq=1835%20windhose&hl=de&pg=RA1-PA36#v=onepage&q&f=false