18610510 01 Storm Alpennordseite

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Alps and north of Alps
Time / Duration Long-time event
Date 10. / 11.05.1861 during the night
Magnitude / Dimension >120km/h
Damage / Impact Great fire in Glarus, 589 burnt down buildings
Fatalities 5
Injuries -
Report Source historical reports
Remarks -


Ereignis

Die Brandkatastrophe von Glarus war ein einschneidendes Ereignis:
Ein gewaltiger Föhnsturm wütete in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 in Orkanstärke.
Er fegte das Feuer in Windeseile über die eng aneinandergebauten und mit Schindeldächern bedeckten Häuser der Stadt Glarus, die gnadenlos erfasst wurden.
Zwei Drittel der Stadt, über 600 Wohnungen, Ställe und Magazine wurden zerstört und rund 2200 Menschen auf einen Schlag obdachlos.

Blick auf zerstörte Wohnhäuser. (1861) Bild: Landesarchiv des Kantons Glarus
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Ausblick vom Burghügel Richtung Südwesten. (1861) Bild: Robert Geyser, Landesarchiv des Kantons Glarus
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Am Donnerstag, 9. Mai 1861, fand bei herrlichem Wetter die alljährliche Landsgemeinde auf dem Zaunplatz statt.
Nun stellte ein Fabrikherr den Antrag, das Feuerverbotsgesetz abzuschaffen.
Sei doch nun fast 400 Jahre nichts passiert. Der Antrag wurde vom Stimmvolk abgelehnt.
Die einzig richtige Entscheidung, denn sowohl am Landsgemeindedonnerstag, als auch am Freitag darauf, blies der Föhn mit gewaltiger Stärke durch das Tal.

Am Freitag, 10. Mai 1861, brach etwa um halb zehn Uhr abends auf der Ostseite am Zaunplatz in einer Holzscheune ein Feuer aus.

Schnell breitete sich das Feuer auf das danebenliegende Wohnhaus aus. Noch eine halbe Stunde zuvor war die „Föhnwacht“ auf Kontrollgang gewesen.
Die Glarner wussten ganz genau, welche Gefahr bei dieser Wetterlage droht: Jeder noch so kleine Funke konnte zu einer Katastrophe führen.
Das Feuer wurde fast sofort bemerkt, die Kirche begann das Sturmgeläut und die Feuerwehr war bald im Einsatz.
Es folgte ein stundenlanger, verbissener Kampf gegen das Feuer.
Der Hilferuf eilte durch die Gemeinden und kurz bevor dieses niederbrannte, konnte über das Telegrafenamt sogar Rapperswil gerufen werden.
Jetzt kam die Eisenbahn zum Einsatz, die die Rapperswiler Löschmannschaft innert 45min nach Glarus brachte.
Auch Wasser war genug vorhanden, die Linth in der Nähe und die zahlreichen Bächlein in Glarus lieferten genug.

Doch das Wetter machte den verzweifelten Bemühungen einen Strich durch die Rechnung:
Der Föhn peitschte so stark durch die Gassen, dass sogar die Strahlen der Wasserspritzen abgelenkt wurden und sich das Feuer in Windeseile ausbreiten konnte.
Die Glut wurde in Windrichtung gegen Norden Richtung Talausgang getragen und steckte bald weitere Häuser an.
Da die Luft so trocken war, genügten schon diese herumgewirbelten Glutpartikel, das ausgedörrte Holz der Gebäude in Flammen aufgehen zu lassen.
Immer weiter nach Norden ergriff das Feuer Haus um Haus.
Die Feuerwehrmänner hatten gar keine Zeit ihre Spritzen aufzustellen, so rasend schnell verbreitete sich die Glut und drängte sie zurück.
Bald loderte der ganze Stadtkern, wo die dicht aneinander gebauten Häuser und die engen Gassen den Brand umso schneller vorantrieben.
Vor allem in der sogenannten „Meerenge“, der engste Abschnitt der Hauptstrasse gleich bei der Kirche, trafen die Flammen aufeinander und verwandelten diese dichtbewohnte Stelle in einen Feuerkessel.
Auch die Kirche konnte nicht gerettet werden. Sehr nahe an der „Meerenge“ gelegen, war die Hitze so stark, dass sogar die Kirchturmglocken schmolzen.
Mit allen Mitteln kämpfte man darum, die durch den Wind herumgeschleuderten Holzschindeln und Funken daran zu hindern, neue Gebäude in Brand zu stecken.
In den Nachbardörfern wurden die Häuser mit nassen Tüchern belegt oder mit Wasser überschüttet.
Keine zwei Stunden nach Brandausbruch standen mehr als 500 Gebäude in Flammen.

Quelle: Glarus vor und nach dem Brand 1861

Blick vom ehemaligen Tschudirain Richtung Osten auf die Rückseite des Regierungsgebäudes von 1837.
und Vorderansicht des Regierungsgebäudes. (1861) Bild: J. Broglie, Landesarchiv des Kantons Glarus
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Die Pfarrkirche von Süden aus gesehen. (1861) Bild: Landesarchiv des Kantons Glarus
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Alt Glarus Virtuell 3D

Historische Quellen


Interna

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