18880625 03 Tornado Bettenhausen BE

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Tornado
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Bettenhausen (BE), Thörigen (BE), Bleienbach (BE), Langenthal (BE)
Time / Duration Approx. 13.20 local time +/- 15 min
Duration: 15 minutes
Date 25.06.1888
Magnitude The caused damage points to a maximum intensity of T3 (F1) on the TORRO (Fujita) Scale, which stands for wind speeds between 151 and 184 km/h.
Damage uncountable heavily damaged roofs in villages

substantial damage to forests and trees.

Fatalities 1
Injuries -
Eyewitnesses -
Report Source Historical report
Remarks -


Ereignis

Gewitterzug (a) durch die ganze Schweiz nördlich der Alpen vom Genfersee bis zum Bodensee ziehend.
Zugrichtung Südwesten nach Nordosten. Gewitterzuglänge 150km.

Der grösste Hagelschaden traf die Gemeinde Oehlenberg, wo auf einer Anzahl Güter der diesjährige Ertrag total vernichtet ist.
In den andern Gemeinden hat der orkanartige Sturm, "der heftigste Orkan, dessen man sich seit Menschengedenken erinnert", den grössten Schaden angerichtet.
Nächst Oehhlenberg hat namentlich Flörigen, ein Theil von Thunstetten, Schoren, das Hardfeld und die Kleinholzallmend von Hagel gelitten, doch übersteigt der vom Sturm angerichtete Schaden,
insbesondere in den Ortschaften Langenthal und Schoren, ersteren wohl noch um ein Bedeutendes, denn die schönsten Obstgärten sind daselbst auf Jahrzehnde hinaus vernichtet worden.

Den Tagesblättern entnehmen wir Folgendes:
Langenthal bietet heute einen traurigen Anblick: die Getreidefelder und Pflanzungen sehen wie gewalzt aus, die Baumhofstatten zeigen ein wüstes Chaos von Baumleichen,
die Hausdächer sehen aus wie nach einem Bombardement, die Strassen sind mit zerbrochenen Ziegeln und Kamintrümmern bedeckt.
Rings um den Ort herum liegen die schönen Obstbäume, überreich mit Frucht beladen, Baum an Baum wie gefallene Soldaten nach einer mörderischen Schlacht, die einen entzwei gebrochen, die meisten jedoch mit den Wurzeln ausgerissen.
Das ist zum Weinen ergreifend. Aehnlich, nur nicht ganz in gleichem Masse, soll es thalaufwärts gegen das Emmenthal aussehen.
Es war am Montag Mittag zwischen 13.00 und 14.00 Uhr, als Jedermann mit Bangen den Himmel betrachtete, der unheildrohend aussah.
Plötzlich kam ein Windstoss, der Berge erzittern machte und trieb Hagelkörner wie Kartätschladungen vor sich her;
die Häuser krachten wie bei einem Erdbeben, die Fenster klirrten, die Blumentöpfe flogen herunter, in den Lüften wirbelten losgerissene Ziegel und Blechstücke.
Die im Freien überraschten Menschen und Thiere kämpften gegen das Ersticken.
Zwei Windströme, ein südlicher und ein westlicher, sind in unserm schönen Thale aufeinandergestossen und es entstand nun einer jener Naturkämpfe, die immer für die Cultur verhängnissvoll werden.
Wie zwei Titanen umfassen sich die beiden Gegner, etwa eine Viertelstunde dauerte der Riesenkampf, während dessen alles der Vernichtung anheimfiel, was im Bereiche der Gewaltigen stand.
Grosse und kleine Kamine wurden herabgeworfen, Gebäude abgedeckt, Blechbedachungen bis auf weite Entfernung fortgetragen.
Doch dieser Schaden verschwindet gegen denjenigen, der durch die Zerstörung der Baumhofstatten entstand;
verschiedene der letzteren sowie überhaupt die schönsten und ältesten Baumanlagen sind vollständig vernichtet, wie älter und schöner überhaupt ein Baum war, umso sicherer brach oder entwurzelte ihn der furchtbare Wirbelsturm.

Leider fiel den entfesselten Elementargewalten auch ein Menschenleben zum Opfer.
Etwas ausserhalb der Ziegelhütte warf ein Windstoss ein Heufuder in den Strassengraben, gerade auf die neben dem Wagen gehende Eigentümerin Frau Karoline Geiser.
Wegen der auf ihr ruhenden Last konnte sich die sonst rüstige Frau nicht retten und erstickte in dem angeschwemmten Wasser.
Ein Naturereigniss von ähnlicher verheerender Wirkung hat der Oberaargau in diesem Jahrhundert keines erlebt.
Der Schaden dieser grauenvollen Viertelstunde ist zur Zeit noch ganz unberechenbar.

Ferner:
Von einem Naturereignis wie es in unserer Gegend gottlob äusserst selten eintritt, wurde der untere Theil des Oberaargaus letzten Montag, wie schon gemeldet, heimgesucht.
Unaufhörlicher Blitz und Donner ging Hand in Hand mit wolkenbruchartigem Regen, fürchterlichem Sturme und Hagel;
doch scheint von allen entfesselten Elementen der Sturm am meisten Unheil angerichtet zu haben.
Das war kein Sturm mehr, das war ein rasender Orkan, ein Wirbelwind, wie er in den weiten, grossen Temperaturschwankungen ausgesetzten Ebenen Nordamerikas
oder auch in den berüchtigten ost- und südasiatischen Ländern und Meeren häufig vorkommt.
Dieser Typhon war eng begrenzt, hier stürzte an Wald und Bäumen Alles zu Boden, nahe dabei wurde kein Ast beschädigt!
Vom Anfange des Unwetters (Wynigenberge) über Wäckerschwend und Aspi, Thörigen, Bleienbach, Schoren und Langenthal hinaus war Hagel und Wolkenbruch der stete Begleiter des Orkans.
Der Hagel jedoch nach gewohnter Art auch nur in langgezogenen Strichen und scharf begrenzt.
Da wo der Sturm seine grösste Macht entfaltete, liegen die schönsten und stolzesten Obstbäume zu Dutzenden umgeworfen, ausgerissen und geknickt am Boden. Eine Zählung würde in die Tausende ergeben.

In den Wäldern wurden oft die stärksten Tannen, Buchen und Eichen umgeworfen oder, wo die starke Bewurzelung Stand hielt,
der Stamm im Durchmesser von zwei Fuss und darüber einfach abgedreht wie eine dünue Gerte, bei der Bruchstelle unzählige dünne Splitter zurücklassend.
An Gebäuden ist der Schaden auch sehr bedenklich, einige Häuser auf den Bergen, in Thörigen, im Eigen, Bettenhausen, Schoren und Langenthal wurden ganz bedenklich hergenommen.
Wer den Schaden blos mit dem Dachdecker gut machen kann, hat noch von Glück zu reden.

Charakteristische Gewitterzüge am 25. Juni 1888
(Grössere zusammenhängende Hagelstriche sind durch Schraffierung markiert)
18880625 02 Hail Ochlenberg BE Hailcard.jpg
© MeteoSchweiz, Lith. Joh. Frey, Zürich

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