18900819 02 Hail Selzach SO

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Very Large Hail
SSWD Intensity Code SSWDHC4
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Jura, Cantons Vaud, Neuenburg, Bern, Solothurn, Baselland
Time / Duration 20.00 - 22.00 local time
Date 19.08.1890
Magnitude / Dimension There are reports of fist sized hailstones from Lignerolles (VD), L'Abergement (VD) very large Hail up to 325 g

very large Hail up to 400 g (9cm in diameter) in Selzach (SO), Lommiswil (SO), Oberdorf (SO)

Damage Worst devastations on houses, roofs, windows and crops, killed animals, defoliated forests
Fatalities Not known
Injuries Not known
Report Source Historical reports
Remarks This hailstorm was one of the most destructive and remarkable in Swiss history and appeared in combination with a tornado F4! in Vallée de Joux (VD)


Ereignis

18900819 02 Hail Selzach SO Hagelkarte2.jpg
© Kai Kobler

Gewitterzug (a) schmal, mit viel Hagel über den Waadtländer und Neuenburger sowie die ersten Ketten des Berner Jura ziehend.
Zugrichtung Südwesten nach Nordosten. Gewitterzuglänge 140km. Zuggeschwindigkeit 70km/h.

Charakteristische Gewitterzüge am 19. August 1890
(Grössere zusammenhängende Hagelstriche sind durch Schraffierung markiert)
18900819 02 Hail Selzach SO Hailcard.jpg
© MeteoSchweiz, Lith. Joh. Frey, Zürich

Kanton Waadt

18900819 02 Hail Selzach SO Hagelkarte.jpg
© Kai Kobler

Auszug Louis Gauthier betreffend Hagel:
18900819 02 Hail Selzach SO Gauthier Hageldoku.jpg

Kanton Neuenburg

Sobald aber die Windhose vom Erdboden verschwindet, schüttet der Zug bis zum Schlusse über die östlichen Ketten des Jura in reichlicher Menge Hagel aus.
Hauptsächlich die Weingärten an den Abhängen des Jura leiden in ungewöhnlichem Masse.

Wir wollen zunächst diejenigen Gemeinden aufzählen, welche der schweizerischen Hagelversicherungsgesellschaft Schadenmeldungen eingereicht haben:
Aus dem Kt. Neuenburg: Die Orte Vaumarcus, Sanges, St. Aubin, Gorgier, Boudry, Neuenburg, Chaumont, Dombresson, Corcelles-Cormondrèche und Lignières,
speziell aus dem Val de Ruz Cernier, Chézard-St. Martin, Engollon, Fontainemelon, Fontaines, Hauts-Geneveys und Venin-Villars-Saules.

Devens benachrichtigt uns:
Un orage épouvantable a éclaté sur la Béroche à 21.00 du soir; il est tombé des grêlons de la grosseur d'un oeuf; 100 vitres brisées au bâtiment principal.

Wirklich muss der Hagel in den betreffenden Gegenden fürchterlich gehaust haben und einige Ortschaften scheinen wegen der ungewöhnlichen Grösse de Schlossen einem wahren Bombardement ausgesetzt worden zu sein.
Die Ernten wurden zernichtet, die Bäume ihrer Blätter und Früchte entledigt, die Dächer stark beschädigt und eine grosse Menge Fensterscheiben zerschlagen.

Kanton Solothurn

Eine Zeitungskorrespondenz aus Pieterlen lässt sich folgendermassen vernehmen: (Aus dem Leberberg)
Gestern Abend, bald nach 21.00 Uhr, wurde unsere Gegend von einem verhängnissvollen Unwetter heimgesucht.
Unter je alle zwei bis drei Sekunden sich kreuz und quer wiederholendem Wetterleuchten und von rollendem Donner begleitet, begann plötzlich ein so furchtbarer Hagelschlag, wie sich auch die ältesten Leute eines solchen nicht entsinnen können.
Mit einem Theil gewöhnlicher Schlossen vermischt fielen massenhaft wahre Eiskugeln, nicht nur wie Hühnereier, sondern noch bedeutend grösser, bis zum Gewicht von 400 Gramm, von einem rasenden Nordwind getrieben.
Von den zahllosen zerbrochenen Fensterscheiben und zerknickten Baumästen nicht einmal zu reden.
Aber um sich einen Begriff von der unbeschreiblichen Wucht dieses furchtbaren Hagelschlages zu machen,
diene die fast unglaubliche Thatsache, dass in den Dörfern Selzach, Oberdorf und Lommiswil viele Tausend Ziegel auf den Dächern zerschlagen worden sind.
Auf dem Stationsgebäude Selzach einzig sind nahezu 2'000 solche in Stücke zerschlagen.
Schon in der Nacht und diesen Morgen früh waren die Bewohner dieser Ortschaften, sowohl in der Richtung nach Solothurn und nach Biel, bei allen Ziegelhütten und Baumaterialienhandlungen auf der Suche nach Dachziegeln.
In den übrigen Gemeinden, bis Solothurn und bis hinauf nach Pieterlen, wo dieses Unwetter auch fürchterlich war, aber doch nicht in dem Masse hauste, ist der Schaden nicht so beträchtlich.
In welchem Zustande die Feld- und Gartenfrüchte sind, kann nach den oben angeführten Thatsachen leicht ermessen werden.

Zu erwähnen sind noch forstamtliche Hagelrapporte aus dem Kanton Solothurn:

I. Forstbezirk (Solothurn-Lebern):
Die Hagelzone erstreckte sich von der westlichen bis zur östlichen Kantonsgrenze bei einer Länge von 27 km und einer durchschnittlichen Breite von 5 - 6 km.
Der Boden war kaum bedeckt, jedoch hatten die mittlem und grössten Körner Durchmesser von je 3 und 6 cm.
In den Waldungen hat der Hagel ziemlich Schaden verursacht. Der ganze Jura, über den sich der Hagelschlag hinzog, ist gut bewaldet.
Am stärksten war der Hagelschlag vom Fuss der Waldungen bis bereits auf die Mitte der Aarebene.
Von diesem Kern aus fielen dann noch Schlossen bis an die Aare bei Grenchen, über die Aare bei Solothurn und dort dann vereinzelt in Riedholz, Niederwyl, Kammersrohr.
Nördlich hagelte es über die Kantonsgrenze hinüber. In den einzelnen Ortschaften dauerte der Hagelschlag 3-7 Minuten.

II. Forstbezirk (Balsthal):
Der Hagelstrich zog sich bei einer Breite von ca. 6 km über die ganze Länge des Bezirkes, die ca. 30 km beträgt.
Mittlere und grösste Grösse der Körner 2 - 2 1/2 cm und 4 cm. Der Boden war zum grössten Theil nicht bedeckt.
Dauer des Hagelschlages 2-10 Minuten. Eingezogene Beobachtungen ergaben Folgendes:
1. Gewitter und Hagelschlag entstanden gleichzeitig im ganzen Bezirk.
2. Wiederum verstärkten die über die unbewaldeten Einsattelungen, hinter Weissenstein, Balmberge, Schmiedenmatt, der ersten Jurakette
und über diejenigen der Tannmatt der zweiten Jurakette einfallenden Winde die Heftigkeit der Hagelschläge bei Gänsbrunnen, Herbetswil, Aedermannsdorf und Matzendorf.
3. Das Hagelgewitter war am heftigsten in Gänsbrunnen, Herbetswil, Aedermannsdorf, weniger in Matzendorf und Laupersdorf.
Im Mümliswilerthal erstreckte sich der Hagelschlag nur theilweise über den Nordabhang der zweiten Jurakette.
Im Gäu traf der Hagel nur einen Theil der Waldungen am Südabhange der ersten Jurakette, Oensingen und Oberbuchsiten, wenig Egerkingen.

III. Forstbezirk (Olten-Gösgen):
Dem betreffenden Rapport entnehmen wir Folgendes:
Nach dem Resultat meiner Nachforschungen und Beobachtungen während der Herbstwaldreisen kann gesagt werden, das keine einzige Gemeinde des Bezirkes Olten-Gösgen vom Hagelwetter, das von Nordwesten her eindrang, gänzlich verschont blieb.

Hingegen können drei Stärkezonen ausgeschieden werden.
Am stärksten entleerte sich das Gewitter über die „Gewitterlöcher" der Juraeinschnitte des Hägendörfer-Grabens von Bärenwil her längs dem Südabhang des Hägendörfer-Berges,
über den Allerheiligenberg durch den Rickenbacher-Graben längs dem Rickenbacher- und Wangner- Vorberg über den nördlichen Theil von Olten, über Winznau, Ober- und Nieder-Gösgen,
namentlich über die Berglücke des Wartenfelsschlosses, über den obern Theil von Lostorf, Stüsslingen, das Gugenfeld, Nieder- und Ober-Erlinsbach und über dasige Rebgelände bis zur aargauischen Kantonsgrenze.
Von Olten an aufwärts darf die Dünnern, abwärts die Aare als südliche Grenze dieses Hagelstriches angenommen werden.

Bedeutend schwächer wurden die Thäler nördlich des Jura oder in dessen Querspalten betroffen, wie Trimbach, Hauenstein, Wiesen, Rohr, Kienberg und der obere Theil von Obererlinsbach,
ebenso die Gemeinden Niedergösgen, Schönenwerd, Wöschnau-Eggenberg, Gretzenbach-Weid und Rothacker und können diese als mittlere oder zweite Zone bezeichnet werden.

Nur schwach wurde das Gebiet von Fulenbach, Boningen, Walterswil, die Ebene von Hägendorf, Kappel und Gunzgen, der südliche Theil von Olten, Starrkirch-Wil, Dulliken und Däniken berührt, als dritte Zone.
Von einem tiefeingreifenden, schweren und andauernden Schaden kann nicht geredet werden; im Walde selbst ist er verschwindend klein.

IV. Forstbezirk (Dorneck-Thierstein):
Der Hagel erreichte eine mittlere Grösse, von 1.5 cm und eine maximale von 4 cm.
Er fiel im Beobachtungsorte Breitenbach von 20.30 bis 20.35 Uhr in einer mittlern Mächtigkeit von 6 cm.
Der Hagelstrich erstreckte sich über die Gemeinden Bärschwyl, Grindel, Erschwyl, Büsserach, Breitenbach, Fehren, Meltingen, Zullwyl, Nunningen, Himmelried, Seewen, Hochwald, Gempen, Büren, Nuglar-St.Pantaleon,
sowie über einen kleinen Theil von Dornach und Beinwyl.
Im mittleren Hagelgebiet betrug der verursachte Schaden 60 bis 90%, im äussern 25 bis 50% von dem nicht eingeheimsten Ernteertrag.
Der Berichterstatter führt dann aus dem Nachbarkanton Bern noch an die Gemeinden Wahlen, Laufen, Brislach, Zwingen, Blauen, Nenzlingen, Grellingen, Duggingen und aus dem Kt. Baselland die Ortschaften Aesch, Lupsingen, Seltisberg, Liestal.

Kanton Bern (Berner Jura)

Zu erwähnen sind noch forstamtliche Hagelrapporte aus den Kantonen Bern.

Gemäss derselben haben gelitten im Amte Delsberg die Gemeinde Soulce (Sulz), wo 7 cm grosse Steine fielen und 150 zerbrochene Scheiben gezählt wurden, mit einem Schaden von 10'000 Fr., das Pachtgut Mont-dessus in der Gemeinde Courtetelle mit 1'000 Fr.
Im Amtsbezirke Münster die Gemeinden Souboz, Perrefitte, Moutier, Vellerat, Courrendlin, Chatillon und Rossemaison,
wo die Länge der Hagelzone 16 1/2 km und deren Breite 1-3 km betrug und Schlossen bis zu Eigrösse beobachtet wurden, mit einem durchschnittlichen Verluste von 20%.
Im Amte Wangen war der Schaden im Ganzen nicht gross, unbedeutend in Attiswyl und Wiedlisbach, etwas grösser in Oberbipp und am grössten in den drei Berggemeinden Farnern, Rumisberg und Wolfisberg.

Station Biel meldet:
Der Hagelschaden von gestern Abend war ziemlich gross, namentlich vom zweiten Schlag.
Beim ersten sind mehrenorts bis hühnereigrosse Eisstücke gefallen. Das Gewitter muss die Seekette und die Chasseralkette berührt haben.
Auch am Spitzenberg fielen grosse Steine.

Station Corgémont meldet:
Grêle tombée dans la partie nord de notre territoire communal. A Chasseral (Hotel) 57 vitres brisées. Dégâts à Tavannes, Péry etc.

Weitere Informationen

© MeteoSchweiz ANNALEN der SCHWEIZERISCHEN METEOROLOGISCHEN ZENTRAL-ANSTALT 1890


Aufruf:
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