18900921 01 Storm Alpennordseite

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Alps and north of Alps, Rüthi and Moos (SG)
Time / Duration Long-time event
Date 21.09.1890 in the evening
Magnitude / Dimension >100km/h
Damage / Impact Great fire in Rüthi and Moos, 287 burnt down buildings
Fatalities 2
Injuries -
Report Source historical reports
Remarks -


Ereignis

Der 21. September (Sonntag), der eidgenössische Dank-, Buß- und Bettag von 1890 war ein trockener und windstarker Herbsttag.
Der Föhn wehte schon längere Zeit und am Bettag mit besonderer Heftigkeit und immer mächtiger, je mehr es dem Abend und der Nacht zuging.
Es war etwas nach 8 Uhr. Da erscholl plötzlich schreckenerregender Feuerruf vom Oberdorf her.
Mit rasender Schnelligkeit verbreitete sich die Feuergarbe und noch war keine Viertelstunde verstrichen, als schon 30 Gebäude in Flammen standen.
Mit zunehmender Nachtzeit und dem Fortschreiten des Brandes wuchsen dem Föhn die Schwingen.

Wie ein Meer wälzten die Flammen sich über den östlichen und nördlichen Theil des Dorfes, Alles erfassend und vernichtend.
Die steigende, unerträglich gewordene Hitze vertrieb die Spritzenmannschaft und alle rettenden Hände.
Bald brannte auch der Dachstuhl des bislang noch verschont gebliebenen Massivbaues der Stickerei-Fabrik, zu dessen Schutz Alles aufgeboten war.
Das stattliche Gasthof-Gebäude zum "Hirschen", woselbst auch das Postbureau untergebracht war, erlag ebenfalls dem Feuerbrand und unaufhaltsam wälzte sich die Glutmasse weiter.
Fast übermenschlicher Anstrengung gelang es, die Werthsachen des Postbureau und des Gemeindearchivs zu räumen und in sichere Hut zu bringen.
Da verbreitete sich die neue Schreckenskunde, daß auch das 2.5 Kilometer entfernte Dorf Moos in Flammen stehe.
Der Föhnsturm hatte brennende Holzstücke von Rüthi weg über die hohen Felsenriegel und den Engpaß beim „Hirschensprung" getragen und nun hausten auch hier Sturm und Feuer nach ihrer Weise.

Der dazwischen liegende Weiler Rehag, der schon zu brennen anfing, verdankte seine Rettung hauptsächlich dem heldenmüthigen Eingreifen der Feldkircher Feuerwehr.
Schneller noch als in Rüthi verrichteten die wüthenden Elemente in Moos ihre grause Arbeit.
In kurzer Zeit war das friedliche, idyllische Dörfchen wie vom Erdboden weggefegt, - es blieben kaum einige Trümmer übrig.
Ja, die Flammen sprangen noch weiter in's Thal hinab und verzehrten zwei Gebäude, die isoliert und zirka 300 Meter nördlich standen.
Der Weiler Hirschensprung, wo sich das stark angefüllte Armenhaus der Gemeinde Rüthi befindet und vier Häuser auf der oberen Wilsen wurden durch die vereinigte Anstrengung
der mit Extrazug, 60 Mann und zwei Spritzen, angelangten St. Galler Feuerwehr und der Hülfsmannschaft von Meiningen und Altenstadt gerettet.

Die Nacht vom 21. auf den 22. September 1890 war eine Schreckens- und Unglückszeit ohne Gleichen.
Dieser eidgenössische Bettagsabend wird der lebenden und späteren Generation in schmerzlicher Erinnerung bleiben.
In Rüthi wurden 126 Familien mit 502 Personen und in Moos 31 Familien mit 170 Personen obdachlos. Zusammen sonach 157 Familien mit 672 Personen.
Total verbrannten 287 Firste, 216 in Rüthi und 71 in Moos, mit einem totalen Brandschaden von Fr. 1'402'810—.
Zwei Menschen fanden den Flammentod. Sofort wurde die Hilfstätigkeit organisiert.
In einer Gemeinschaftsküche wurden die Brandgeschädigten verpflegt, wozu das kant. Militärdepartement die Feldküchen der Batterien 42, 43 und 44 samt dazugehörigem Inventar zur Verfügung stellte.
Quelle: Zeitschrift für Vermessung, Kulturtechnik und Photogrammetrie


So sah Rüthi nach dem Dorfbrand vom 21. September 1890 aus
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Quelle: Der Rheintaler

Kurz nach 20 Uhr wurde im Oberdorf ein Brand entdeckt, der sich vom Föhnsturm begünstigt, in Windeseile ausbreitete.
Trotz Hilfeleistungen der benachbarten Wehren aus dem Bezirk Werdenberg, dem Fürstentum Liechtenstein und aus einigen Vorarlberger Gemeinden
wurden im Laufe der Nacht in Rüthi 216 und im nahen Weiler Moos alle 71 Häuser zerstört.
672 Menschen verloren ihr Obdach.

Rüthi 1890: Der ausgebrannte Dorfkern.
Im Hintergrund erkennt man die Brandruine des zerstörten Rathauses sowie die ersten unbeschädigten Häuser im Äckerli.
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Quelle: Rheintaler Bote

Tatsächlich brach dann am Abend – kurz nach acht Uhr soll es gewesen sein – im Oberdorf trotz aller Achtsamkeit Feuer aus.
Es habe sich rasend schnell ausgebreitet, heisst es in einem 1956 in der «Schweizerischen Zeitschrift für Vermessung, Kulturtechnik und Photogrammetrie» erschienen Artikel,
in dem aus einem Bericht von 1892 zitiert wird:

Innert einer Viertelstunde seien 30 Häuser in Brand gestanden.
Bei dem herrschenden Föhnsturm und den damaligen Mitteln der Feuerwehr war dem Brand nicht beizukommen.
Mehr noch: Der Sturmwind wehte Funken über den Hirschensprung – bald brannte auch der Weiler Moos.


Übersichtskarten der Schäden
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Ursachen- und Ereignisanalyse / Messdaten

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Historische Quellen

Interna

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