18950605 01 Flood Zell LU

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flash Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Zell (LU), Willisau (LU), Marbach (LU)
Time / Duration 19:30-20:30 local time
Date 05.06.1895
Magnitude / Dimension >70mm of rain in 1 hour
Damage Flooded streets and maedows
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports
Remarks -


Ereignis

Gewitterzug (a) aus dem Quellgebiet der Emme über den Napf gegen den Lindenberg ziehend.
Zugrichtung von Süden nach Norden. Gewitterzuglänge 50km.

Ein heftiges Gewitter vom Hohgant her zog am Napf und Menzberg vorbei und endete für unsern Gesichtskreis im Nordosten um 21.00 Uhr, durch den Südwind von hier abgehalten.

Aus dem Luzerner Hinterland berichtet unter anderem ein Korrespondent dem „Luzerner Tagblatt":
In ihren Grundfesten schienen sie zu beben, die waldumsäumten Hügel, welche das romantische Bergdorf Zell umgeben.
Risse entstanden, Schollen lösten sich los und trieben gefahrdrohend im Wasser, welches einem reissenden Strome gleich das Thal in seiner ganzen Breite durchflutete.
Dort, wo nordöstlich eine Anhöhe das Dorf abschliesst, mussten aus mehreren Häusern die Bewohner durchs Fenster hinaus die Flucht ergreifen, denn das Wasser hielt die Thüre besetzt.
Eine Kegelbahn samt anstossenden Gebäulichkeiten und das Spritzenhaus wurden eine kurze Strecke weggeschwemmt.
Ein kleines Seitenthal wurde in eine trostlose Wüste verwandelt; bis über Fensterhöhe stieg das gefürchtete Element.
Hundertjährige Eichen und Tannen wurden entwurzelt und ins Thal geführt, steinerne Brunnentröge von der Wasserflut aus einem Dorf in ein anderes versetzt.

Aus Langnau wird der „Neuen Zürcher-Zeitung" geschrieben:
6. Juni 1895. Während des heftigen Gewitters, das gestern Nacht über das obere Emmenthal ging, wurde der Jasbach so geschwellt, dass er die Senggenbrücke bei Röthenbach wegriss.

Dem „Luzerner Volksblatt" wird aus Gettnau berichtet:
Der Regen, mit etwas Hagel gemischt, fiel so in Strömen, dass in wenigen Minuten hauptsächlich das aus den südlich der Kantonsstrasse befindlichen Thalschluchten hergeflossene Wasser das Oberdorf arg überschwemmte.
Die Brücken und Stege wurden weggerissen. Infolge dieses Wasserandranges und aus den Höhen herab gebrachten Grienes, Sandes und Holzes wurde auch die Eisenbahnlinie vielerorts unfahrbar, und in der Kenzern entgleiste der Bahnzug.

Aus Willisau wird einem Blatte geschrieben:
Die unscheinbarsten Bächlein wurden zu Strömen, die Strassen in Flussbette umgewandelt.
Durch die Kreuzbrücke gestaut, ergoss sich die Wigger in wildem Laufe rechts auf die üppigen Matten dem Bahnhof-Restaurant zu.
Neben dem Anfüllen von vielen Kellern und Erdgeschossen mit dem schmutzigbraunen Wasser der Wigger und einigen Uferdemolierungen ist grösseres Unglück im Städtchen selbst nicht entstanden.
Dagegen sind ausserhalb des Weichbildes von Willisau arge Verwüstungen zu konstatieren.
Die Strasse nach Hergiswil ist an einer Stelle bis auf einen halben Meter Breite zerstört, an andern Stellen sonst unfahrbar gemacht.

Aus Marbach wird dem „Entlebucher" berichtet:
Mittwoch abends zwischen 18.00 und 19.00 Uhr fuhr ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner, Hagel und Wind (von Südosten her kommend) über unser Dorf, Bäume, Pflanzungen und Wiesen verheerend.
Die Hagelsteine fielen in solcher Menge, dass man Donnerstag morgens im Dorfe und um dasselbe noch ganze Haufen sehen konnte.

Das Gebiet der wolkenbruchartigen Ergüsse scheint nur auf die Gegend zwischen Willisau und Zell (im Thal der Luthern und am Zusammenfluss von Wigger und Luthern) auf den Oberlauf der Emme beschränkt gewesen zu sein.
Denn die nur durch einen, niederen Hügelzug von Zell getrennte Regenmesstation Huttwyl an der Langeten konstatierte bloss 4 mm, die allerdings weit von Röthenbach entfernte meteorologische Station Affoltern i/E. nur 1 mm Tagessumme.


Charakteristische Gewitterzüge am 5. Juni 1895
18950605 01 Flood Zell LU Hailcard.jpg
© MeteoSchweiz, Lith. Joh. Frey, Zürich

Messwerte (Regenmengen)

-

Betroffene Gewässer

Jasbach, Wigger, Luthern

Medienlinks

© MeteoSchweiz ANNALEN der SCHWEIZERISCHEN METEOROLOGISCHEN ZENTRAL-ANSTALT 1895


Interna

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