19100118 02 Flood Westschweiz

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Western Switzerland
Time / Duration several days
Date 18.- 21.01.1910
Magnitude / Dimension >100mm of rain in 24 hours
Damage -
Fatalities 1
Injuries -
Report Source old postcards, chronicles, general archive
Remarks -


Ereignis

Überschwemmungen vor allem in der Westschweiz infolge einsetzender Schneeschmelze verbunden mit reichlichen Niederschlägen.
Der Kanton Waadt wurde fast ganz überschwemmt (u.a. durch die Orbe, Arnon, Broye, Aubonne, Venoge). Einzig die Regionen Lavaux, Vevey und Aigle blieben verschont.
Auch aus dem Kanton Neuenburg wurden Wasserschäden gemeldet, so vor allem aus dem Val de Travers, den Regionen Le Locle, La Brévine und den seenahen Gebieten.
Weitere Kantone mit Wasserschäden:
Genf (durch Allondon, Arve, Versoie), Wallis, Solothurn, Freiburg (Broye, Glane), Bern (Birs, Langeten, Neuenburger- und Bielersee), Baselland, Aargau und Schaffhausen.
In der Innerschweiz wurden die Kantone Uri (u.a. Verklausung der Reuss durch die Bristenlaui und Durchbruch mit Flutwelle), Obwalden und Luzern (Entlebuch, Willisau, Sursee) getroffen.
Quelle: Gerhard Röthlisberger - Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

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Quelle: Gerhard Röthlisberger - Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz



Vaterland 17, Tagblatt 19 u. 20.:
Infolge des anhaltenden Regenwetters kommen von allen Seiten her Hiobsposten betreffend Hochwasser.
Bei Inwil lag fast die ganze Gegend zwischen dem Dorfe und der Reuss unter Wasser. Ein Knabe ertrank.
In Buttisholz trat der durch das Dorf strömende Bach über die Ufer und drang in die Keller; die Matten in der Umgebung sind unter Wasser und mit Schutt bedeckt.
In Rain wurde die Bachbrücke bei Weiherhaus weggerissen. In Alberwil wurde eine kleine Scheune zerstört.
Mehrere Familien mussten die Wohnungen verlassen und die Ställe räumen. In Hergiswil erfolgten Rutschungen. Nebikon stand unter Wasser. Bei Ettiswil und Schötz sah es wie ein See aus. Die Eisenbahn Huttwil-Willisau musste den Verkehr einstellen.
Bei Wauwil ist der Damm der Bundesbahn gerutscht. Bei Mauensee die Strasse unterbrochen. Zwischen Rothenburg und Sempach fuhr die Bahn durch eine Wasserwüste.
In Beromünster wälzte sich eine gelbe Wasserflut durch die Winen; die Gebäulichkeiten im Rhyn standen in Gefahr. In Neudorf war ein Teil des Dorfes unter Wasser gesetzt.
In Sursee schwoll die durch die Willimatt fliessende sogenannte alte Sure zu einem reissenden Strome an und überflutete die Matte.
Bei Büron wurde die Strasse auf fünf Meter Länge weggeschwemmt. Ueber Adligenswil und die Meggerhöhe fiel ein wolkenbruchartiger Regen.
Der Würzenbach schwoll mächtig an und trat über die Ufer. Der Gigenbach bei Luzern brachte grosse Wassermassen in den Bruch hinunter.
An der Fluhmattstrasse erfolgte eine Rutschung. In Horw trat der Horwbach aus und überschwemmte die Matten und die Strasse. Im Rüteli bei Ennethorw erfolgte ein grosser Erschlipf.

Jan. 19. Ein Erdrutsch beim Bristentunnel sperrte beide Geleise der Gotthardbahn.
Jan. 20. Eine vom Bristenstock niedergegangene Lawine staute bei Amsteg die Reuss.
Die gewaltige Wassermenge bildete einen grossen See und bahnte sich plötzlich einen Ausweg, die Schneemassen und eingekeilten Holz- und Steinmassen vor sich herschiebend.
Die Plakibrücke musste geräumt werden, hielt aber Stand. Alle Stege und Brücken zwischen Amsteg und Erstfeld wurden weggerissen.
Quelle: Naturhistorische Literaturchronik- und Naturchronik 1910


Aus dem Urner Wochenblatt:
Das Unheil nimmt bereits im Winter seinen Lauf. Das Jahr 1910 beginnt mit viel Schnee.
Hoch- und Tiefland werden mit einem dickwandigen Schneemantel bedeckt.
Am 20. Januar, morgens um 8.00 Uhr, stürzt die Bristenlawine in ungewöhnlicher Grösse zu Tal und füllt das Reussbett bis zu einer Höhe von 20 Metern.
Das Reusswasser staut sich 6 Stunden lang zu einem See. Um 12.00 Uhr beginnt das Wasser über den Lawinenkegel zu fliessen.
Eine Stunde später wird der ganze Wall von dem gestauten Wasser durchbrochen. Eine ungeheure Flutwelle ergiesst sich plötzlich talabwärts.
Innerhalb von 5 Minuten läuft der ganze Stausee ab, sämtliche Brücken und Winterstege reussabwärts, die nicht aus Eisen oder Stein bestehen, werden fortgerissen.
Die Wuhren selbst nehmen, mit Ausnahme an der Plattibrücke, wenig Schaden.
Die fertiggestellten 200 Meter langen Reussdämme bewähren sich und halten dem ersten Hochwasser des Jahres stand.
Quelle: Bauernopfer zugunsten der Munitionsfabrik Urner Wochenblatt, 04.06.2010


Bilder

La canalisation de l’Orbe (ici au pied de la ville) n’a pas mis fin aux inondations,
comme le démontre cette photo des années 1910.
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© Image: WWW.EAU21.CH

Hochwasser des Doubs:
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© Bibliothèque de la Ville de La Chaux-de-Fonds, DAV

Hochwasser der Venoge:
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Messdaten

Übersicht Regenmengen >50mm vom 19.01.1910

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© Kai Kobler / Quelle Karten-Screenshot

>> Link zu interaktiver Karte

Analyse von Dr. R. Billwiller

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© MeteoSchweiz ANNALEN der SCHWEIZERISCHEN METEOROLOGISCHEN ZENTRAL-ANSTALT 1910

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