19140713 01 Flood Muemliswil SO

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flash Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Mümliswil (SO), Balsthal (SO)
Time / Duration 23:00-01:00 local time (during the night)
Date 12. / 13.07.1914
Magnitude / Dimension > 70mm of rain in 1 hour
Damage Flooded streets and maedows, landslides
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports, Newspaper report, photos
Remarks -


Ereignis

Gewitterzug (a) aus dem Oberelsass gegen die Zentralschweiz, sich in einen zum Alpsteingebiet und einen gegen den Gotthard ziehenden Zweig gabelnd.
Zugrichtung von Nordwesten nach Südosten. Gewitterzuglänge 182km.

Laut Zeitungsnotiz in Mümliswil, St.Wolfgang, Balsthal, Klus infolge Wolkenbruchs mitten in der Nacht grosse Ueberschwemmungen und Schädigungen.
Zahlreiche Brücken und Stege weggerissen. Gärten und Hofstätten verwüstet, in Mümliswil ein Schuppen umgerissen, drei Rinder und viel Kleinvieh in den Fluten ertränkt.

Charakteristische Gewitterzüge am 12.-13. Juli 1914
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© MeteoSchweiz, Lith. Gebrüder Frey, Zürich


Artikel von Peter Wetzel - az Solothurner Zeitung - erschienen 12.07.2014

Genau vor 100 Jahren kam es zu einem Wolkenbruch über der Region, welche eine Spur der Zerstörung hinterliess.
Am schlimmsten litten die Gemeinden Balsthal und Mümliswil unter den Überschwemmungen.

Die Bergungsarbeiten lockten viele Schaulustige an.
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© Museum BalsThal/Kurt Heutschi

Heute und morgen vor genau 100 Jahren, es war damals in der Nacht vom Sonntag auf den Montag (12./13. Juli),
entlud sich über der Region ein ungeheurer Wolkenbruch und richtete in knapp einer halben Stunde ungeheuren Schaden an.

Während des Sonntags hatte vorher Bilderbuchwetter mit Sonne und stahlblauem Himmel geherrscht.
Das Unwetter begann gegen Mitternacht. Am andern Morgen sah es in Mümliswil am schrecklichsten aus.
Der zu einem Fluss angeschwollene Limmernbach hatte alles zerstört, was sich ihm in den Weg stellte.
Die Talsperre in der «Genneten» wurde vom Wasser weggerissen.
In einem Zeitungsbericht im «Jura-Boten» hiess es:
«Die Wasser wälzten Schlamm und Schutt über Wiesen und Gärten, über blühende Kartoffelfelder und reifende Frucht.
Sie schonten nicht den fest in der Erde wurzelnden kräftigen Baum, die Strassen des Dorfes und die Behausungen seiner Bewohner.»
Ein paar «Höckeler», die sich zu später Stunde immer noch im Haus des Bäckers und Wirts Sutter befanden, mussten sich wegen des plötzlich hereinstürzenden Wassers in Sicherheit bringen.

Die Gegend um das Dorf habe am Morgen wie ein Schlachtfeld ausgesehen, ist der Berichterstattung zu entnehmen.
Dem rasenden Bach waren auch drei Stück Vieh zum Opfer gefallen. Sie lagen am Morgen, vom Wasser angeschwemmt, verendet auf dem Felde.
Auch im Waldenburgertal, im Einzugsgebiet des Augstbaches und stellenweise auch im Gäu waren enorme Wasserschäden zu verzeichnen.

Keine Menschenopfer

Die Ufer des Mümliswilerbaches sowie die Landstrasse bis nach St. Wolfgang wurden ebenfalls stark beschädigt.
Ganze Stücke der Böschung und der Strasse wurden fortgeschwemmt.
Der Pflanzplätz des Gustav Hafner und eine neu errichtete Wasserleitung in St. Wolfgang wurden weggerissen.
Nach dem Zusammenfluss des Mümliswilerbaches in den Augstbach setzte dieser sein Zerstörungswerk fort.

In Balsthal ergoss sich das Wasser durch die Hauptstrasse und füllte die Keller der angrenzenden Häuser.
Glück im Unglück hatte der Dorfweibel Niklaus Flury, der hinter dem Haus des Arnold Born in der Klus zusammen mit zwei andern Männern die Schleuse hochziehen wollte, um die Wassermassen besser ablaufen zu lassen.
Dabei stürzte Flury ins reissende Wasser und wurde bis zur Gemeindegrenze Balsthal/Oensingen mitgerissen. Dort, in der so genannten «Gärbi», konnte er sich an einem Strauch festhalten und sich retten.
In Mümliswil war es ein 15-jähriger Knabe, der ins Wasser gefallen war und gerettet werden konnte. Menschenopfer waren zum Glück keine zu beklagen.
In Oensingen trat die Dünnern über die Ufer und setzte einige Wohnungen unter Wasser. Die Feuerwehren leisteten in allen betroffenen Gemeinden einen Grosseinsatz.

Krieg verhinderte Hilfsbeiträge

Die damaligen Regierungsräte Kyburz und Obrecht besuchten am 15. Juli das Überschwemmungsgebiet.
Sie versprachen sofortige Hilfe von Bund und Kanton.
Der Mümliswiler Ammann Josef Bloch erwähnte in seinem Jahresrückblick im Jahr 1914:
«Kaum hatte sich der Schrecken der Wasserkatastrophe etwas gelegt, so entbrannte im August der furchtbare europäische Krieg.
Deshalb habe auch die amtliche Sammlung zugunsten der Wassergeschädigten stark gelitten. Der Schaden an Privateigentum konnte nur zu etwa einem Drittel gedeckt werden.
Mümliswil erhielt 9500 Franken, Balsthal 200 Franken und Holderbank 800 Franken.»
Aus den erwähnten Beiträgen ist zu schliessen, dass auch Holderbank stark vom Hochwasser heimgesucht worden war.

In Balsthal war es im Juni 1986 der Steinenbach, der in Minutenschnelle zu einem reissenden Wildbach anschwoll und unter anderem einen Teil des Friedhofs überschwemmte.
Von dort aus ergossen sich die Wassermassen ins Dorfzentrum und überfluteten dabei zahlreiche Wohnstuben, Geschäfte und Kellerräume.
In Balsthal spricht man meist über die Jahrhundert-Hochwasser von 1830 und 1926. Entsprechende Hochwassermarkierung an Häusern erinnern an diese Ereignisse.
Vor- und nachher aber hat es in der Region immer wieder «kleinere» Überschwemmungen gegeben, welche den Betroffenen die Unberechenbarkeit von Naturgewalten vor Auge führten.

Quellen: Jura-Bote, Jahrgang 44; Geschichte von Mümliswil-Ramiswil Bd. 1


Bilder und Berichte

Übersichtskarte zur Orientierung
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© Kai Kobler

Wettersituation am 12./13. Juli 1914

Über Mitteleuropa herrschte eine flache Druckverteilung vor.
Über der Schweiz lag eine ausgeprägte Tiefdruckrinne, die mit der tageszeitlichen Erwärmung am Abend kräftige Gewitter erwarten liess.

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© Wetterzentrale

Betroffene Gewässer

Limmernbach, Mümliswilerbach, Augstbaches

Medienlinks

© MeteoSchweiz ANNALEN der SCHWEIZERISCHEN METEOROLOGISCHEN ZENTRAL-ANSTALT 1914

Interna

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