19540701 01 Flood Alpen

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Kanton Schwyz, Kanton Glarus, Kanton Uri, Kanton St.Gallen, Kanton Appenzell
Time / Duration 24 hours
Date 01.07.1954
Magnitude / Dimension >150mm of rain in 24 hours
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source chronicles, general archive
Remarks -

Ereignis

Beträchtliche Unwetterschäden am Alpennordrand und im Engadin infolge schwerer Regenfälle. Die Reuss brach im Urnerland und im aargauischen Unterlauf aus, ebenso der Rhein im St.Galler Rheinland.
Für das schadenreichste Innhochwasser der letzten 50 Jahre wurden im Kanton Graubünden allein an Verbauaufwendungen mehr als 14 Millionen Franken notwendig.
Quelle: Gerhard Röthlisberger - Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Durch den Rhein überflutete Sarganser Ebene.
19540821 01 Flood Alpen Sarganserebene01.jpg
Quelle: Staatsarchiv St.Gallen


Die Niederschläge vom 21. August 1954 überschreiten den Betrag von 40 mm in der ganzen Schweiz, der Nordfuß des Jura ausgenommen.
Im westschweizerischen Jura und im Alpengebiet nordöstlich der Linie: Brig, Kandersteg, Langnau sind noch Beträge von über 70 mm gemessen worden.
Die größten Tagesmengen sind jedoch auf der Alpensüdseite zu verzeichnen, und zwar mehr als 120 mm einerseits im Quellgebiet des Tessins, der Maggia und im Centovalligebiet, anderseits im Bergell und im Berninagebiet.

Diese sehr beträchtlichen Niederschlagsmengen haben namentlich im Bereich des Alpennordhangs beträchtliche Schäden durch Überschwemmungen und Murgänge zur Folge gehabt.
So verursachte z.B. die Reuß Überschwemmungen im Gebiet der Gemeinde Erstfeld und zwischen Attinghausen und Seedorf, aber auch im Unterlauf zwischen Jonen und Oberlunkhofen.
Der Flazbach überschwemmte die Gegend zwischen Pontresina und Samedan. Im Engadin und im oberen Bergell wurde die Malojastraße stellenweise zerstört.

Im Tessin begannen die Niederschläge schon am 19. Sie fielen hier mit Unterbrechungen.
Die ergiebigsten Perioden sind in Locarno-Monti die folgenden gewesen: Am 21., von 9 h 38 bis 13 h 28 und von 18 h 26 bis 22 h 20 (verbunden mit Gewittern), am 22. von 6 h 26 bis 9 h 45.
Auf der Alpennordseite sind schon am 20. Niederschläge gefallen. Die Hauptperiode begann in Zürich um 10 h des 21. und dauerte bis 12 h des 22. im wesentlichen wäh-rend des Temperaturrückgangs, der insgesamt etwa 6° betrug.

Die allgemeine Wetterlage war folgende:
Wie aus der Höhenkarte zu ersehen ist, befand sich die Schweiz im Bereich einer starken Höhenströmung, die am 21. um 3 h aus WSW, am 22. um 3 h aus SSW wehte.
Sie fällt mit den Isothermen der mittleren Temperatur der unterhalb liegenden Luftmassen zusammen.
Das Minimum des Höhentiefs lag über der Kanalgegend. Von ihm aus erstreckte sich ein Ausläufer nach Nordwestspanien.
Er verlagerte sich bis zum Nachtag wegen eines Warmluftvorstoßes aus Westen nach Südostfrankreich. Die Bodendruckverteilung war flach.
Die Bodenwetterkarte vom 21. um 13 h zeigt ein Druckminimum von 1006 mb bei Marseille.
Von ihm aus erstreckt sich ein Tiefdrucktrog ungefähr der französischen Ostgrenze folgend, dann über Süddeutschland nach einem zweiten Tief über Böhmen.
Ferner zeigt die Karte zwei Regengebiete, das eine über Nordwestdeutschland (Zentrum bei Hannover), das andere über dem französischen Rhonetal und der Schweiz.
Sie liegen beide unter der oben erwähnten Höhenströmung aus SW bis S. In den tieferen Luftschichten finden wir in Nordwestdeutschland kräftige Ostwinde.
Die dortigen Niederschläge sind Aufgleitniederschläge der warmen Luft.

Die Niederschläge in der Schweiz, nördlich der Alpen, dagegen sind auf den Einbruch der kälteren Luft aus Westen zurückzuführen, diejenigen der Alpensüdseite eine Folge des Staus der Südluft an der Alpenkette.
Ersteres geht aus dem anhaltenden Temperaturrückgang während der Dauer der Niederschläge hervor, sowie daraus, daß dieselben in der Westschweiz bedeutend früher einsetzten als in Zürich.
In der Westschweiz ebenso wie in Südostfrankreich wurde der Einbruch der Kaltluft von Gewittern begleitet.
Diesen auf Grund der Windströmungen nachzuweisen, erweist sich jedoch wie immer als unmöglich, weil das hierzu erforderliche Beobachtungsmaterial (Höhenwinde) viel zu spärlich ist.
Es sei aber erwähnt, daß im Bereich des Windschattens der Alpen die Winde offenbar schwach waren und aus sehr wechselnden Richtungen wehten.
Gewitter wurden im Nordosten des Landes nicht beobachtet. Auffallend sind die starken Barometerschwankungen. Es sind aber keine deutlichen Wellen nachzuweisen wie in anderen Fällen.

Auf dem Säntis (2500 m) zeigt der Wind starke Schwankungen zwischen S und E.
Der Einbruch der Kaltluft in den Hochlagen der Alpennordseite zeigt sich an durch eine Verschärfung des Temperaturrückgangs und eine Winddrehung auf Gütsch (2300 m) um 23 h des 21.
(Drehung von SSW nach N) auf dem Säntis (2500 m) um 5 h des 22.
Um diese Zeit setzte auch der Druckanstieg in den Niederungen ein. Der südliche Ausläufer des Höhentiefs, der am 22. um 3 h wie schon erwähnt noch über Südostfrankreich lag,
wanderte bis zum 23. weiter nordostwärts nach Süddeutschland. Innerhalb dieser Periode müssen daher die Höhenwinde auf W gedreht haben.

Wie die Bodenwetterkarte des 22. (um 7 h) zeigt, liegt nun das Tiefdruckgebiet im Osten der Alpen.
Seine Troglinie verläuft etwa von Amsterdam über Leipzig, Prag (Min.1008 mb), Wien, nach Ancona (Min.1007 mb).
Während die Kaltluft auf der Alpennordseite inzwischen einen relativen Hochdruckkeil aufgebaut hat (etwa 1012 mb)
ist über der westlichen Poebene ein weiteres Minimum von 1004 mb stehen geblieben, das sich jedoch fortan rasch ausfüllte.

Ähnliche Fälle wurden schon mehrfach beobachtet.
Hinsichtlich der Druckverteilung sowohl wie der Niederschlagsverteilung dem vorliegend Fall sehr ähnlich sind die großen Niederschläge vom 13. und 28. August 1935, 5. August 1939 und 27. Mai 1951.
Quelle: M. Grütter

Messdaten

Übersicht Regenmengen >70mm vom 01.07.1954
19540701 01 Flood Ostschweiz prtsc.jpg
© Kai Kobler >> Link zu interaktiver Karte

Bilder

Medienlinks

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