Tornado vom 26.06.2020 in Hohenrain (LU)

Eine erste Auswertung der Schäden vor Ort durch Mitglieder der Tornado Taskforce Schweiz (kurz TTS) hat ergeben, dass der Tornado von Hohenrain eine knapp 2 km lange von NW nach SO gerichtete Schneise zog und dabei Sachschäden verursachte, welche mindestens der Stärke F1 nach Fujita zuzuordnen sind. Es grenzt an ein Wunder, dass nach weder Mensch noch Tier zu Schaden kam. Eine detaillierte Dokumentation und Schadensanalyse folgen hier in den kommenden Tagen. In diesem Zusammenhang nehmen wir weiterhin gerne Informationen und Bildmaterial aus der Bevölkerung über unsere Kontaktadresse Sturmarchiv email.png entgegen.

19560827 01 Flood Tessin TI: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Schweizer Sturmarchiv
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(Messdaten)
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==Ereignis==
 
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'''Ein Maximum von mehr als 140 mm liegt im «Centovalligebiet» (Camedo 149 mm, Locarno-Monti 97) ein zweites im Oberlauf des Tessins (Airolo 147 mm).<br/>
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'''27. August 1956<br/>
'''Von der Südspitze abgesehen, hat der ganze Kanton Tessin, das Misox, das Berninagebiet aber auch das Quellgebiet des Rheins, der Reuss und der Linth mehr als 60 mm Niederchlag''' '''erhalten.'''<br/>
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'''Ganz ungewöhnlich große Beträge sind im Tessin gefallen. Die größten wurden gemessen in Brissago(247 mm), Locarno-Muralto (211 mm), Biasca (215 mm).<br/>
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'''Von dieser Maximalzone fallen die Beträge nach Nordwesten und Südosten rasch ab.<br/>
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'''Im übrgen sind auch in Nord- und Mittelbänden noch Beträge zwischen 25 und 45 mm gefallen.<br/>
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'''Die Morgenwetterkarte vom 27. August um 07.00 h zeigt eine ausgeprägte Tiefdruckrinne, die sich von der Hauptdepression über Finnland südwestwärts über Großbritannien<br/>
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'''bis in die Gegend nordwestlich von La Corunna erstreckt.<br/>
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'''Längs der Südostflanke dieser Rinne wandert eine Wellenstörung nach Nordosten, die sich um 07.00 h durch eine ausgeprägte Teildepression über Mittelfrankreich abzeichnet.<br/>
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'''Die Schweiz liegt im Bereich einer warmen Föhnströmung aus SSW. Fast ganz Spanien und Südwestfrankreich sind bereits von einer kalten Luftmasse überschwemmt,<br/>
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'''die in der Folge mit der Welle nordostwärts vorstößt. Die Kaltfront passierte Zürich um 14.50 h und war gekennzeichnet durch eine Bö von 20 m/sec und einen plötzlichen Druckanstieg um  zu-nächst 4 mm.<br/>
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'''Es zeigt sich, daß die Kaltluft zunächst nur geringe Höhen erreichte. Die Temperaturschwankung (Diff. zwischen Maximum und Minimum der Periode) betrug auf dem Säntis etwa 6 Grad,<br/>
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'''auf dem Jungfraujoch nur noch etwa 1 Grad. Es lag im übrigen eine echte Föhnlage vor.<br/>
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'''Altdorf und Glarus u. a. hatten schon am Morgen bei starkem Südwind Temperaturen von 28 Grad zu verzeichnen.<br/>
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'''Vereinzelte  Stationen  notierten  Gewit-ter,  die  an  die  Kaltfront  geknüpft  waren. In  Zürich  dau-erten  die  Niederschläge    nach    der    Kaltfront  bis  um  07.00 h  des   Nachtages.  Die  Niederschläge  der  Alpensüdseite  waren  von  fast  anhaltenden  Gewitterstörungen  begleitet.  Nennenswerte  Temperaturänderungen,   die  auf  Luftmassenänderungen  schließen  ließen,  sind  nicht  nachzuweisen.  Es  zeigte  sich  zunächst  eine  leichte  Erwärmung,  dann  eine  leichte Ab-kühlung.  Die  Temperaturschwankung  betrug  auf  Monte  Bre,  wie  auch  in  Testa  Grigia,  nur  etwa  1.5  Grad.  Es  handelt  sich  offensichtlich um  Stauniederschläge  der sehr  labilen  feuchten  Warmluft  aus  Süden  bis  Südwesten.  Das  Auftauchen  einer  neuen  schwächeren  Welle  schon  am  Nachtag  über  dem  Golfe  du  Lion  hat  hier  jeden  Kalt-lufteinbruch  verhindert,  erst  der folgende  Tag,  an  wel-chem  in  der  obigen  Kernzone  noch  Beträge  von  120 mm erreicht  wurden,  ist  an  eine  namhafte  Abkühlung  ge-knüpft. Es  sei  noch  erwähnt,  daß  die  entsprechenden    Sondie-rungen  in Mailand  vom 27. zum  28. Feuchtezunahme  und  Erwärmung  zwischen  1500  und  3000 m  und  eine  Abküh-lung  zwischen  3000 und  6000 m  zeigt, wodurch  sehr  große  vertikale  Temper aturgradienten  erzeugt  wurden.  Ober-hall)  ist  keine  Temperaturänderung  eingetreten.  ''' '''erhalten.'''<br/>
 
Quelle: M. Grütter<br/>
 
Quelle: M. Grütter<br/>
  

Version vom 16. Januar 2020, 19:57 Uhr

Quick Facts

Type of Event Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Kanton Tessin
Time / Duration 24 hours
Date 27.08.1956
Magnitude / Dimension >200mm of rain in 24 hours
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source chronicles, general archive
Remarks -

Ereignis

27. August 1956
Ganz ungewöhnlich große Beträge sind im Tessin gefallen. Die größten wurden gemessen in Brissago(247 mm), Locarno-Muralto (211 mm), Biasca (215 mm).
Von dieser Maximalzone fallen die Beträge nach Nordwesten und Südosten rasch ab.
Im übrgen sind auch in Nord- und Mittelbänden noch Beträge zwischen 25 und 45 mm gefallen.
Die Morgenwetterkarte vom 27. August um 07.00 h zeigt eine ausgeprägte Tiefdruckrinne, die sich von der Hauptdepression über Finnland südwestwärts über Großbritannien
bis in die Gegend nordwestlich von La Corunna erstreckt.
Längs der Südostflanke dieser Rinne wandert eine Wellenstörung nach Nordosten, die sich um 07.00 h durch eine ausgeprägte Teildepression über Mittelfrankreich abzeichnet.
Die Schweiz liegt im Bereich einer warmen Föhnströmung aus SSW. Fast ganz Spanien und Südwestfrankreich sind bereits von einer kalten Luftmasse überschwemmt,
die in der Folge mit der Welle nordostwärts vorstößt. Die Kaltfront passierte Zürich um 14.50 h und war gekennzeichnet durch eine Bö von 20 m/sec und einen plötzlichen Druckanstieg um zu-nächst 4 mm.

Es zeigt sich, daß die Kaltluft zunächst nur geringe Höhen erreichte. Die Temperaturschwankung (Diff. zwischen Maximum und Minimum der Periode) betrug auf dem Säntis etwa 6 Grad,
auf dem Jungfraujoch nur noch etwa 1 Grad. Es lag im übrigen eine echte Föhnlage vor.
Altdorf und Glarus u. a. hatten schon am Morgen bei starkem Südwind Temperaturen von 28 Grad zu verzeichnen.

Vereinzelte Stationen notierten Gewit-ter, die an die Kaltfront geknüpft waren. In Zürich dau-erten die Niederschläge nach der Kaltfront bis um 07.00 h des Nachtages. Die Niederschläge der Alpensüdseite waren von fast anhaltenden Gewitterstörungen begleitet. Nennenswerte Temperaturänderungen, die auf Luftmassenänderungen schließen ließen, sind nicht nachzuweisen. Es zeigte sich zunächst eine leichte Erwärmung, dann eine leichte Ab-kühlung. Die Temperaturschwankung betrug auf Monte Bre, wie auch in Testa Grigia, nur etwa 1.5 Grad. Es handelt sich offensichtlich um Stauniederschläge der sehr labilen feuchten Warmluft aus Süden bis Südwesten. Das Auftauchen einer neuen schwächeren Welle schon am Nachtag über dem Golfe du Lion hat hier jeden Kalt-lufteinbruch verhindert, erst der folgende Tag, an wel-chem in der obigen Kernzone noch Beträge von 120 mm erreicht wurden, ist an eine namhafte Abkühlung ge-knüpft. Es sei noch erwähnt, daß die entsprechenden Sondie-rungen in Mailand vom 27. zum 28. Feuchtezunahme und Erwärmung zwischen 1500 und 3000 m und eine Abküh-lung zwischen 3000 und 6000 m zeigt, wodurch sehr große vertikale Temper aturgradienten erzeugt wurden. Ober-hall) ist keine Temperaturänderung eingetreten. erhalten.
Quelle: M. Grütter

Messdaten

Übersicht Regenmengen >70mm vom 27.08.1956
19560827 01 Flood Suedschweiz prtsc.jpg
© Kai Kobler >> Link zu interaktiver Karte

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