Tornado vom 26.06.2020 in Hohenrain (LU)

Eine erste Auswertung der Schäden vor Ort durch Mitglieder der Tornado Taskforce Schweiz (kurz TTS) hat ergeben, dass der Tornado von Hohenrain eine knapp 2 km lange von NW nach SO gerichtete Schneise zog und dabei Sachschäden verursachte, welche mindestens der Stärke F1 nach Fujita zuzuordnen sind. Es grenzt an ein Wunder, dass nach weder Mensch noch Tier zu Schaden kam. Eine detaillierte Dokumentation und Schadensanalyse folgen hier in den kommenden Tagen. In diesem Zusammenhang nehmen wir weiterhin gerne Informationen und Bildmaterial aus der Bevölkerung über unsere Kontaktadresse Sturmarchiv email.png entgegen.

19570224 01 Flood Toggenburg

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Kanton St.Gallen (Toggenburg)
Time / Duration 24 hours
Date 24.02.1957
Magnitude / Dimension >100mm of rain in 24 hours
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source chronicles, general archive
Remarks -

Ereignis

Anhaltende Niederschläge, die verbreitete Hochwasser- und Murgangschäden sowohl im Jura wie in den Alpen zur Folge hatten, fielen am 24. Februar 1957.
Die allgemeine Wetterlage war um 07 h des 24. Februar die folgende:
Auf dem Atlantik etwa 15 Grad westlich von Nordirland ist ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet zentriert, von dem aus sich ein Ausläufer in ost-südöstlicher Richtung über Großbritannien bis nach Deutschland erstreckt.
Es handelt sich um eine Randstörung, die sich am 23. in der Gegend des St.Georgskanals von der Hauptdepression abgespalten hatte und nun rasch ostwärts zog.
Sie stand im Zusammenhang mit einem starken Einbruch warmer Luft, die am 24. um 07 h bereits ganz Frankreich und Westdeutschland überschwemmt hatte.
Die Warmfront lag bereits östlich der Schweiz und kann am 24. um 07 h etwa über: West- und Zentralalpen; Nürnberg-Kassel lokalisiert werden.
Sie hatte Zürich um 00 h des 24. passiert und in der ganzen Schweiz eine Erwärmung von etwa 4 Grad verursacht. Im Warmluftgebiet wehten starke Winde, vorwiegend aus WSW, in der Höhe (5500 m) aus WNW.

Der Hauptanteil der obigen größten Niederschläge fiel also innerhalb des sogenannten warmen Sektors.
Doch ist auch in diesem Gebiet noch ein Temperaturgradient (Anstieg) gegen Westen vorhanden, man hatte es also immer noch mit einem Vorstoß noch wärmerer Luft aus Westen zu tun.
Unsere Hochstationen zeigen denn auch während der Dauer der obigen Niederschläge einen langsamen Temperaturanstieg, der bis um 07 h des 25. weitere 4 Grad erreichte.
Dementsprechend waren die Niederschläge im Warmsektorgebiet über ganz Westeuropa verbreitet, wenn sie auch im Flachland nur mäßige Beträge erreichten.
Die größte Menge an Niederschlägen im Jura und Alpengebiet ist demnach durch Vertikalbewegungen im schweizerischen Gelände verursacht.
Dies erkennt man ohne weiteres aus der starken Bevorzugung der Westseite des Jura und des Alpennordhangs.
Versucht man nun allerdings, Einzelheiten des Reliefs auf ihre orographische Wirkung hin zu untersuchen, so stößt man namentlich für die von Süd nach Nord orientierten Täler auf erhebliche Schwierigkeiten, die hauptsächlich dadurch verursacht sind,
daß unsere Meßstationen begreiflicherweise meistens im Talgrund liegen.

Immerhin kann man doch einige orographische Einflüsse erkennen: Auffallend ist die Maximalzone im Rhoneknie des Wallis bei Martigny.
Hier erhebt sich zwar auf der Ostseite des Tales der Riegel des Dent de Mordes und der Diablerets zu 3000 m Höhe, doch hat auch die dahinter liegende Talstation Sion noch 68 mm erhalten.
Das Maximum in Boltigen (87 mm) liegt wohl nicht zufällig im Gebiet der Krümmung des Simmentals.
Das Niederschlagsgebiet auf der Westseite des Aaretals oberhalb Brienz bis zur Grimsel und Furka dürfte hauptsächlich eine Folge der Kanalisierung der Westwinde durch das Tal des Thuner- und Brienzersees und das Wallis sein.
Ebenso bezüglich des Vierwaldstättersees liegt die entsprechende Maximalzone im Gebiet des Kantons Schwyz (Oberiberg 84 mm).
Merkwürdig erscheint jedoch der hohe Betrag von Braunwald (106 mm), liegt doch diese Station eher im Windschatten.
Daß die Südtäler des Wallis weniger Niederschlag erhalten haben als die Nordtäler, ist verständlich, ebenso die relative Trockenheit der Nordabdachung der Berner Alpen.
Auffallend sind besonders die niederschlagsarmen Gebiete «hinter» den Maximalzonen, so besonders im Thuner- und Vierwaldstätterseegebiet, wo weniger als 10 mm gefallen sind.
Doch fällt hier auf, daß auch die Hochstationen sehr wenig Niederschlag gemessen haben, einerseits wohl, weil es sich um verwehten Schnee handelte,
andrerseits weil das Kondensationsniveau niedrig lag. Die Schneefallgrenze bewegte sich zwischen 1500 und 1800 m.
Fälle mit sehr ähnlicher Niederschlagsverteilung sind häufig. Wesentlich ist starker Westsüdwest- bis Westwind, relativ warme Luft oder langsame Warmlufteinbrüche.
Anhaltende Warmsektoren sind selten. Eine nachfolgende Kaltfront vermag die Niederschlagsverteilung nicht wesentlich zu ändern.
Quelle: M. Grütter

Messdaten

Übersicht Regenmengen >70mm vom 24.02.1957
19570224 01 Flood Ostschweiz prtsc.jpg
© Kai Kobler >> Link zu interaktiver Karte

Bilder

19570224 01 Flood Toggenburg bilder.jpg
Quelle: Staatsarchiv St.Gallen

Medienlinks

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