19570621 01 Hagelunwetter Zürcher Oberland

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Dieses historische Hagelunwetter dürfte anhand eines Auszuges aus dem Heimatbuch Bubikon rekordgrosse Hagelsteine mit einem Durchmesser von bis zu 11 cm vom Himmel geworfen haben. Diese Schätzung beruht auf der Angabe, dass in Bubikon ein Hagelklumpen mit einem Gewicht von 540 Gramm gefunden worden sei. Es könnte sich hierbei somit um das bislang grösste dokumentierte Hagelkorn in der Schweiz handeln!

Historische Berichte:

"Am Abend des 21. Juni 1957 zwischen 19 und 19.30 Uhr tobte ein heftiger Hagelsturm über den Zürcher Gemeinden Hombrechtikon, Hinwil, Dürnten, Rüti, Bubikon, Gossau und Grüningen.

Bis zu 300 Gramm schwere Hagelbrocken zerstörten damals Tausende von Dächern und Fensterscheiben und richteten grosse Verwüstung an Gärten und Ackerland an.

In den neun Gemeinden, in denen das Unwetter durchzog, waren 1128 Hausbesitzer mit total 2273 Gebäuden betroffen. Der finanzielle Gesamtschaden belief sich auf - damals dramatisch hohe - 1.3 Millionen Franken. Laut Berichten gab es auch einige Verletzte.

Der aussergewöhnliche Hagelsturm löste im Übrigen einen regelrechten Katastrophentourismus aus."

Quelle: Der Freisinnige

"Als das wohl schrecklichste Unwetter muss dasjenige vom 21. Juni 1957 bezeichnet werden. Eigrosse Hagelschlossen (die Löwenwirtin bewahrte lange Zeit einen Eisklumpen von 540 g Gewicht im Kühlschrank auf) verwüsteten die Felder und Gärten zur Unkenntlichkeit, entlaubten die Bäume, zertrümmerten die Ziegeldächer und schlugen Fensterscheiben, ja einzelne Jalousieläden ein. Der längste Tag schien zum letzten geworden zu sein. Lehrer Wilhelm Fischer, der damalige Ortskorrespondent des «Freisinnigen» schrieb darüber: «Nach Stunden drückender Schwüle zog mit einem male von Nordwesten drohendes Sturmgewölk herauf, und um die siebente Abendstunde brach ein Gewitter von ungewöhnlicher Heftigkeit los. Hagelschlossen fielen in der Grösse von Hühnereiern. Von den Dächern trommelte es wie Maschinengewehrfeuer. Ziegel und Fensterscheiben barsten in grosser Zahl. Die Hausplätze waren übersät von Trümmern, und auf den Strassen lagen abgehackte Baumäste und Zweige haufenweise. Die heftige Kanonade der überall einsetzenden Hagelabwehr erwies sich gegen das Wüten der wilden Elemente als fast wir kungslos. Noch eine Stunde nach dem Verrauschen des Gewitters zeigten die Wiesen eine weisse Decke, und eisige Nebelschwaden geisterten sturmgepeitscht über die niedergewalzten Kornfelder. Eine Amsel sitzt mit zerschlagenem Rücken auf einem vorspringenden Dachbalken und äugt hilflos zu ihrem Neste hinauf- ein kleines Leid neben all den vielen zerstörten Hoffnungen der Gartenbesitzer und des Landmannes. Der heftig rauschende Regen drang durch die undichtgewordenen Dächer in die Zimmer der Wohnstätten und richtete dort weiteren Schaden an.» ...und tags darauf: «Grosse Schäden sind auch beim Ritterhaus zu verzeichnen. Der Hof ist schuhhoch mit Ziegelbrocken übersät (50000 Ziegel waren zerborsten), und unzählige Scheiben mit der kostspieligen Wabenverglasung sind in die Brüche gegangen... Es ist verständlich, dass das Jugend- und Dorffest in Wolfhausen abgesagt wurde. Zu festlichem Treiben verspürte jetzt wohl niemand Lust... Grosse Lastwagen mit Ziegeln fuhren durch das Dorf, ziegel- und schindelbeladene Fuhrwerke durch die Strassen. Die älteren Schüler werden spontan zum Ziegelbieten eingesetzt.»

Ich selber war mit einer sechsten Klasse am 21. Juni in der Bergschulwoche auf Mettmenalp im Glarnerland. Als wir am Samstagnachmittag heimreisten und bei der Einfahrt in Bubikon die grauenhaften Verwüstungen sahen, brachen die meisten Kinder in Weinen aus. Beim alten Schulhaus türmten sich Mahden zerschlagener Ziegel und Scherben auf. In unserer Küche hatte ein Eisklumpen den Jalousieladen durchschlagen und im Frigidaire eine faustgrosse Beule eingedrückt. Und der Garten? Es war kaum zu unterscheiden, was am Vortag noch Salat, Kohl oder Zwiebel gewesen war. Die Gartenbeete bildeten eine braungrüne Brühe. Himbeer- und Johannisbeerstauden waren bis auf kurze Stummel zusammengehackt, die Bäume entlaubt, und Rindenfetzen hingen von Zweigen und Ästen.

Unverzüglich setzten die Hilfsmassnahmen ein. Equipen von Dachdeckern — über hundert waren aus dem ganzen Kanton zur Hilfe gerufen worden - machten sich an die ersten Arbeiten, deckten notdürftig mit geliehenen Blachen die Dächer; Glaser ersetzten die zersplitterten Fensterscheiben. In den Wiesen, Äckern und Gärten gings an die Aufräumarbeiten; soweit es noch möglich war, wurden Neusaaten vorgenommen. Der Schaden an den Obstbäumen wirkte sich auf Jahre hinaus aus. Viele mussten gefällt werden. Wohl deckten Versicherungen und Hilfsgelder des Kantons die in die Millionen gehenden Schäden; alles war aber nicht zu ersetzen. Immerhin ein Gutes bewirkte das bittere Unglück: Gegenseitige Hilfe wurde zur Selbstverständlichkeit."

Quelle: http://www.bubikon.ch/images/content/gemeinde/heimatbuecher/Bubikon_Wolfhausen_1_061_066.pdf


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Aufruf:
Falls Sie weitere Informationen zu diesem Unwetter wie zum Beispiel eine Kopie des Artikel aus dem Zürcher Oberländer mit der Überschrift "Vor 50 Jahren fegte das bisher schlimmste Hagelgewitter über das Zürcher Oberland" besitzen, melden Sie sich bitte auf meldung(at)sturmarchiv.ch. Besten Dank!