19760213 01 Storm Alpennordseite

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location North of Alps
Time / Duration Long-time event
Date 13.02.1976
Magnitude / Dimension >120 km/h
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports, data from official weather stations
Remarks -


Ereignis

Quelle: Der aussergewöhnliche Föhnsturm vom 13. Februar 1976 in der Ostschweiz von A. Güller, Zürich Januar 1977

Es wird ein Föhnsturm beschrieben, der am 13. Februar 1976 in den östlichen Alpentälern der Schweiz auftrat, obwohl weder die an sich richtigen Prognosenkarten noch die tatsächliche Wetterlage einen solchen erwarten liessen.
Das Phänomen des Föhns spielte sich in den untersten 3000 Metern der Atmosphäre ab, während oberhalb der Gipfelflur der Alpen ein kontinuierlicher Nordwest-Jet herrschte, mit welchem eine Störung die Schweiz durchquerte.

Die Warmfront lag um 00 Uhr des 13. Februar auf einer Linie Amsterdam-Paris-Tours, gegenüber der 24-stündigen Bodenprognose des Deutschen Wetterdienstes also um ca 200 km zurück.
Trotzdem reichte das dazugehörende Niederschlagsgebiet zu dieser Zeit bereits bis zum Jura und drängte mit den Höhenwinden rasch gegen die Alpen vor.
Dennoch setzte um 02.45 Uhr in Altdorf der Föhn ein. Um 04.00 Uhr erfolgte der Einsatz in Vaduz und um 04.45 Uhr in Lindau am nördlichen Bodenseeufer.
Ueber den Pässen und Gipfeln der Alpen wehte ein starker Südost ( Gütsch 180/25Kt und Böen bis 44Kt, Weissfluhjoch 150/20Kt), der indessen nicht sehr hoch reichen konnte,
denn in der Höhe schob sich die niederschlagsbringende Wolkendecke unvermindert gegen Südosten vor. Die Föhnaufhellung blieb vollständig aus.
Um 07.00 Uhr hatte die Niederschlagsfront mit einem geschlossenen Schneefallgebiet den Jura überschritten und das Mittelland sowie das ganze Wallis erreicht.
Das Tessin, der ganze Kanton Graubünden sowie die inner- und ostschweizerischen Föhntäler (Gadmen-, Alpnacher-, Reuss- und St.Galler Rheintal) waren zu diesem Zeitpunkt niederschlagsfrei.

In den Talböden der letzteren und im Engadin tobte ein heftiger Föhnsturm, welcher den in der Höhe fallenden Niederschlag immer wieder zurückdrängte und grösstenteils auflöste.
Aus diesem Grunde waren die Feuchtigkeitswerte an vielen Stationen nicht so niedrig, wie es bei "normalen" Föhn-Situationen der Fall ist.
An den Ausgängen der Föhntäler aber herrschte ein hin- und hertobender Schneesturm, der nicht nur erhebliche Schneemengen brachte,
sondern auch zu Schneeverwehungen und damit zu beträchtlichen Verkehrsbehinderungen führte (Gaster!).
Diese Kampfzone der Winde aus Süd- und aus Nordwest zeigte sich auch im unteren Rhonetal.
Um 07.00 Uhr notierte man in Monthey 38 Knoten Südostwind (130°), also Föhnströmung, während Vernayaz 30 Knoten Westwind hatte.
An beiden Orten fiel auch bereits Schnee. Die Temperaturen der "Föhnluft" waren um rund 4° höher als diejenigen in der Nordwestströmung.
Auch im ganzen St.Galler Rheintal herrschte ein starker Föhn mit Windstärken über 40 Knoten und Rückgang der relativen Feuchtigkeit bis auf 30%.
Selbst in Lindau am Bodensee und im angrenzenden Hinterland herrschte ein Südsturm, der den Niederschlag bis gegen 09.00 Uhr zurückhielt, während in Konstanz der Schneefall bereits um 03.10 Uhr eingesetzt hatte.
Dies ist insofern bemerkenswert, als Föhnstürme nur verhältnismässig selten bis zum deutschen Ufer des Bodensees vorzudringen vermögen,
wie aus der soeben erschienenen Arbeit von WAIBEL und GUTERMANN über Föhnhäufigkeit und Föhnwarnmöglichkeit im Bodenseegebiet ersichtlich ist.

In der Höhe überstieg der Föhn mit Böenspitzen bis 55 Knoten den Rücken von Eggen ob Lachen AR (925 m/M) und erreichte auch Heiden (800 m/M).
In St.Gallen und in Rorschach wurde er indessen nicht verspürt und auf dem Säntis fiel bereits um 07.00 Uhr Schnee bei 36 Knoten Südwestwind.
Dasselbe traf auch zu auf dem Jungfraujoch (3576 m/M), wo der Schneefall ebenfalls vor 07.00 Uhr eingesetzt hatte, die Winde um diese Zeit aus West,
dann aber den ganzen Tag aus Nordwest wehten.
Das Bodendruckfeld ( Abb.6 ), reduziert auf die Höhe von 450 m/M , zeigte indessen das bei Föhnlagen übliche Bild, einen kräftigen Stau am Alpenkamm, besonders an den Berner- und Zentralalpen, sowie am westlichen Jura,
wobei der Druckgradient zwischen dem oberen Wallis und dem Aaretal sowie zwischen dem oberen Tessin und dem urnerischen Reusstal am grösste ist,
währenddem er im Bünderland durch die ausgedehnten inneralpinen Talsysteme aufgespalten wird.

Ursachen- und Ereignisanalyse / Messdaten

Karten aus Der aussergewöhnliche Föhnsturm vom 13. Februar 1976 in der Ostschweiz

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Der Föhnsturm vom 13. Februar 1976 bestätigt somit in eindrücklicher Weise, dass Wetterlagen auftreten können, die in den Alpen mindestens gebietsweise zu echtem Föhn führen,
die aber trotz richtigen Prognosenkarten und richtiger Einschätzung der Frontverlagerung mit dem bisherigen Schema nicht vorausgesagt werden können.
Dieser Föhn hat aber trotz seinem unerwarteten Auftreten die Prognosen kaum verfälscht, da

1. die Föhnaufheiterung vollständig fehlte,
2. die Niederschläge im Jura und im Mittelland zeitlich richtig einsetzten und
3. auch im Süden die Niederschläge mindestens während des Tages fehlten, wie es die Prognose vorausgesagt hatte.

Vom Föhn überrascht wurden lediglich die Bewohner der östlichen Voralpentäler, welche von ihm unmittelbar betroffen wurden, sowie die Benützer der Autobahnen in den betreffenden Gebieten.
Dass Föhnstürme aber besonders im Winter, wenn die Temperaturen in den Niederungen normalerweise um den Gefrierpunkt herum liegen, ausser einer Fehlprognose noch schwerwiegendere Tücken aufweisenkönnen, hat nicht nur dieser Fall gezeigt.
Auch die ausserordentlichen Schneefälle vom Neujahr und Berchtoldtag 1962 (GUELLER 1962), welche zu ungewöhnlichen Schneemengen im nördlichen Mittelland und zu entsprechenden Schäden an den Elektrizitätsversorgungen,
im Verkehrswesen und in den Wäldern geführt hatten, waren durch einen heftigen Föhnsturm eingeleitet worden.

Der Föhnfall vom 13. Februar weist daher erneut darauf hin, dass starken Druckfallgebieten im Nordwesten der Alpen besonders im Winter erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden muss,
auch wenn die Höhenwinde nicht für eine präfrontale Föhnsituation sprechen.


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Schäden

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