19811213 01 Storm Alpennordseite

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location North of Alps
Time / Duration Long-time event
Date 13.12.1981
Magnitude / Dimension >130 km/h
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports, data from official weather stations
Remarks Doppelföhn und seichter Föhn


Ereignis

Den Nordföhn und den Südföhn betrachtete man stets als verwandte alpenüberquerende Windströmungen, deren gleichzeitiges Wirken beidseits der Alpen jedoch nie stattfinden könne.
Doch am 13. Dezember 1981 trat dieses als unmöglich erachtete Wetterereignis dennoch ein:
Während 4 Stunden wehten der Nordföhn in Locarno und der Südföhn in Altdorf, mit ihren typischen Merkmalen, gleichzeitig!

Am 13. Dezember 1981 — bei ausgeprägter Westlage — vollzieht sich der Übergang einer Nordföhn- in eine Südföhnlage.
Bei diesem Wandel der Wetterlage im alpinen Bereich ist der sehr seltene Fall bemerkenswert, daß der Nordföhn in Locarno-Monti und der Südföhn in Altdorf während ungefähr vier Stunden gleichzeitig wehen.
Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Südföhns ist eine Absinkinversion, die sich nördlich des Alpenkamms am eindrucksvollsten entwickelt.
Da die Inversion südwärts der Alpen in einer größeren Höhe verbleibt, stellt sich über dem Alpenkamm ein von Norden nach Süden gerichtetes isobares Temperaturgefälle ein.
Dieses wird verstärkt durch die aufkommenden südlichen Winde, wobei die auf der Luvseite angehobenen Luftmassen auf dem Alpenkamm eine adiabatisch bedingte Abkühlung verursachen.
Unter Ausbildung eines außerordentlichen baroklinen Solenoidfeldes erreicht die Spitzengeschwindigkeit des Südföhns in Altdorf den höchsten seit 1967 festgestellten Wert von 155 km/h.

Ursachen- und Ereignisanalyse / Messdaten

In dieser Übergangsphase, vom Nordföhn bis zum gleichzeitigen Südföhn, lässt sich somit in der Alpenregion in eindeutiger Weise eine Divergenz feststellen mit dem höchsten Luftdruck über dem Alpenkamm,
verbunden mit einem Druckgefälle nach Norden und Süden, das den Doppelföhn ermöglicht. Zudem ist zu beachten, dass an diesem Tag ein Hochdruckgebiet in Richtung WNW-ESE über die Alpen zieht
und die Alpennordseite im unteren Bereich der Troposphäre eine weit stärkere Erwärmung aufweist als dies südwärts der Alpen der Fall ist.

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Der Nord-Süd Gradient des Luftdruckes zwischen Kloten und Locarno Monti (bezogen auf 400mü.M.)

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Bodenwetterkarte vom 14.12.1981, 1 Uhr MEZ, Höhepunkt der Südföhnlage mit einem südlichen Überdruck von 15 hPa.


In Altdorf wurde am 13. Dezember, zwischen 23 und 24 Uhr, der Rekordwert von 155 km/h gemessen.
Zu diesem Zeitpunkt bestand in Locarno fast Windstille.

Während des Föhnsturmes in Altdorf wurden ausserdem folgende Böenspitzen gemessen:

Jungfraujoch: NW von 166 km/Std. am 13. Dez.,24h
Gütsch: SSE von 122 km/Std. am 13. Dez.,20h
Säntis: WSW von 184 km/Std. am 14. Dez.,1h
Chasseral: SW von 140 km/Std. am 13. Dez.,23h

Quelle: Dr. Karl Frey, Olten

13.12.1981 154.8 km/h an der Messstation in Altdorf.

So blies der Föhn am 13.12.1981 mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 104 km/h.

Das für Altdorf bisher stärkste Föhnereignis vom 13.12.1981 ist auf einen seichten Föhn zurückzuführen.
Quelle: Starker Föhnsturm im Urner Reusstal 22. Dezember 2009 / Ludwig Z'graggen, Jacques Ambühl

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Schäden

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