19870701 01 Flood Biembach

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Flash Flood
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location Biembach (BE), Hasle bei Burgdorf (BE), Oberburg (BE), Burgdorf (BE), Bigenthal
Time / Duration Approx. 12.00 - 14.00 UTC
Date 01.07.1987
Magnitude / Dimension > 50mm of rain in 1 hour
Damage 60 millions Swiss franc; flooded streets, homes and maedows, blocked streets
Fatalities 2
Injuries -
Report Source Newspaper report, photos
Remarks -


Ereignis

"Kurz nach Mittag sitze ich wartend im Behandlungszimmer des Arztes. Durch das Fenster beobachte ich den Kirchturm und den einheitlich schwarzen Himmel dahinter.
Während der Konsultation blitzt und donnert es, Regen beginnt zu fallen, und bald giesst es wie aus Kübeln. Nicht einmal einen Schirm habe ich dabei.
Daher rufe ich meine Frau an, dass sie mich mit dem Auto abhole.
Als sie kommt, steht der gepflästerte Platz vor der Praxis bereits knöcheltief bis an die Türschwelle unter Wasser. Ich ziehe Schuhe und Socken aus und wate zum Auto.

Beim Nachhausekommen rinnt eine braune Brühe den Giebelweg hinunter.
Bei der Nachbarin läuft das Wasser, das sich aus dem höhergelegenen Feld in den Garten ergiesst, schon beinahe in den Keller.

Um 14.40 Uhr heult die Sirene, unheimlich, unheilverkündend. Grossalarm der Wehrdienste!
In Uniform und Stiefeln eile ich ins Magazin in den "Chipf". Bereits kommt der Luterbach sehr hoch, überschwemmt die Krauchthalstrasse, doch man kann noch fahren.

Oberkommandant Peter Brand schnappt mich: "Komm mit, zum Rekognoszieren im Luterbach."
Bei der Abzweigung hinter der Steingrube sehen wir, dass der Krauchthalbach nur wenig Wasser bringt, doch der Luterbach rauscht braun und stickend heran.
Es geht bis zur Schmitte im Sandsbach, dort aber wälzt sich das Wasser so hoch über die Strasse, dass an ein Weiterkommen auch mit dem Geländefahrezug nicht mehr zu denken ist. Umkehren!
Wie mag es wohl erst weiter hinten im Tal aussehen?

In der Funkzentrale "Chipf" beziehe ich nun meine Stellung. Wehrdienstangehörige füllen in Eile Sandsäcke ab, errichten Sperren entlang der Krachthalstrasse.
Doch der Bach schwillt weiter an, ergiesst sich zuerst in die Gärtnerei Lobsiger, dann auf der anderen Seite in die Kirchmatte.
Er fliesst in die Einfahrten, drückt Garagentore ein und füllt die Keller bis obenaus ebenso wie die riesige Baugrube der Firma Stalder.

Bewohner schreien, fluchen: "So tut doch endlich etwas!"Es gibt nichts zu tun; hilflos müssen wir zusehen und warten.

Eine schreckliche Meldung trifft telefonisch vom Rain im Luterbach ein.
Frau Berger hat beobachtet, dass zwei Feuerwehrmänner auf dem Weg zum Einsatz am gegenüberliegenden Hang von einer Rüfe verschüttet worden sind.
Wir schicken einen Rettungstrupp mit Arzt und Polizei. Für den einen der Männer kommt jede Hilfe zu spät. Ein Menschenleben ist zu beklagen.

Ich denke, es sei angenehm, so im Trockenen arbeiten zu können, als ein seltsames Blubbern im Magazin mich aufblicken lässt.
Auf der ganzen Hallenbreite fliesst Wasser über die Schwelle, verläuft sich vorerst noch in der Kanalisation, die aber sofort voll ist.
Das Wasser steigt höher und höher, einen halben Meter, braun, stinkend, dringt durch die Türe in den Kommandoraum, schwappt in die Stiefel, Säcke mit Ölbindemittel treiben in der Halle auf den Fluten.

Kurz vor vier Uhr treffen Meldungen von der Emmentalstrasse ein. Sie ist vollständig überflutet.
Der Biembach hat wie ein Wilbach soviel Wasser gebracht, dass unser Dorfbach die Massen niemals schlucken konnte. Die ganze Breite des Talbodens steht unter Wasser.
Eine braune Brühe wälzt sich die Emmentalstrasse hinunter. Der Verkehr kommt vollständig zum Erliegen.
Auf teilweise abenteuerlichen Wegen versuchen viele von der Arbeit nach Hause zu gelangen.

Über Funk vernimmt man, dass Biembach und Hasle schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden und dass auch Burgdorf seinen Teil abbekommen hat.
Laufend treffen nun am Telefon Meldungen von Schäden ein.
Insgesamt gegen hundert Überflutungen, davon solche riesenhaften Ausmasses wie die Autoeinstellhallen in der neuen Überbauung "Sonnenfeld" und die der Bärenmatte werden bekannt.
Mehr als ein Dutzend Autos erleiden Totalschaden. Heizöltanks schwimmen und kippen um.
Das Öl mischt sich mit der Brühe. Auf der Löwenkreuzung stinkt es nach Öl. Ratlos, hilflos stehen die Anwohenr auf trockenen Treppen.

Als das Wasser endlich nicht mehr weiter steigt, heisst es handeln. Menschen, Schweine, Hühner und Kaninchen müssen aus den Fluten gerettet werden.
Doch wegen Wasserschaden gibt ein Fahrzeug nach dem anderen seinen Geist auf. Die Wehrdineste und der eilig per Telefon aufgebotene Zivilschutz pumpen, was die Spritzen halten.
Aber der zähe Schlamm lässt sich nicht so einfach absaugen. Ununterbrochen stehen die Männer im Einsatz, um die gröbsten Schäden zu beheben.
Selbst die Schüler helfen am nächsten Tag, der für schulfrei erklärt wird, Strassen, Vorpätze und Keller zu säubern."
Quelle: Hochwasser vom 1. Juli 1987 Erlebnisbericht von Theo Ammann (Auszug aus dem Heimatbuch)

Bilder

Bild aus Biembach (BE):
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Bildquelle: Hydrologie der Schweiz

Bilder aus Oberburg (BE):
Emmentalstrasse:
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Kirchgasse:
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Krauchthalstrasse:
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Löwenkreuzung:
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Bildquelle: Erlebnisbericht von Theo Ammann (Auszug aus dem Heimatbuch)

Messdaten

Der Abfluss aus kleinen und mittleren Einzugsgebieten spricht stärker auf intensive Gewitterniederschläge kurzer Dauer an.
Auch das Hochwasser im Biembach (BE) am 1. Juli 1987 wurde durch die ungünstige Vorgeschichte bestimmt.
Infolge der Witterung der vorangegangenen Wochen war die Speicherkapazität der Böden im Einzugsgebiet nahezu erschöpft.
Von dem intensiven Starkniederschlag, der mit dem Zusammentreffen zweier Gewitterzellen über dem Einzugsgebiet des Biembach (rund 10 km²) kurz vor 14 Uhr begann,
konnte nur ein kleiner Teil zurückgehalten werden. Der Abfluss im Biembach reagierte umgehend und erreichte seine Spitze mit rund 50 m³/s noch vor 15 Uhr.

Betroffene Gewässer

Dorfbach Oberburg (Biembach), Luterbach

Medienlinks

Interna

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