19250215 02 Storm Alpennordseite

Aus Schweizer Sturmarchiv
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Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location North of Alps
Time / Duration Long-time event
Date 15.02.1925 morning until noon
Magnitude / Dimension >130 km/h
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports, postcards, data from official weather stations
Remarks Dimmerföhn


Ereignis

Der am Morgen des 15. Februar wieder ausbrechende Föhn zeigte grosse Analogien mit dem verheerenden Föhnsturm vom 5. Januar 1919.
Nicht nur im Hintergrund, sondern in den Föhntälern selbst regnete es am Morgen des 15. vielfach, und aus Glarus wird gemeldet, dass die Berge des Gross- und Kleintals in grauem „Dimmer" lagen.

Von Zürich aus sah man nur Rossberg und Mythen; was dahinter ist, lag alles in der unten dunkelgrauen, nach oben hellerwerdenden Wolkenwand, die die ganze Alpenkette einhüllte und bis zu ca. 15° über dem Horizont reichte.
Darüber (etwa von 15°—30°) war heller blauer Himmel.
Der in den Talschlüssen schon in der Nacht und am frühen Morgen fallende Niederschlag breitete sich im Laufe des Vormittags immer weiter nordwärts aus, und um Mittag, als der Föhn am weitesten ins Mittelland hinauswehte, waren die Föhntäler ganz überregnet.
Es regnete in Chur, Glarus, Altdorf und Interlaken, nur das St.gallische Rheintal war noch relativ heiter.Das ist der von Oswald Heer für den Dimmerföhn postulierte Regen.

Er ist sehr wohl zu unterscheiden von dem Niederschlag, der auf Föhn folgt,und der auch diesmal nicht ausblieb, als am Nachmittag des 15. Februar die Hauptböenlinie der Zyklone unser Land passierte, und mit dem Einbruch kalter Luft über der ganzen Schweiz Niederschlag einsetzte entsprechend der Bewegung der Böenlinie von West nach Ost sich verspätend: Neuenburg und Bern 14.00h, Luzern 15.30h, Zürich 16.20h und St. Gallen 16.55h.
Diese, den Föhn beendigenden Niederschläge dringen von Norden in die Föhntäler vor.
Der Föhn selber war am Talausgang am stärksten und verursachte vielen Schaden an Häusern und Scheunen; Obstbäume und ganze Waldstücke wurden niedergelegt (Riedern, Näfels, Niederurnen, Bilten; auch rechtseitige Gemeinden der Linthebene; Appenzell I. Rh.); bald nach 7h wurde er auch in Zürich fühlbar und erreichte gegen Mittag eine hier seltene (am 5. Januar 1919 allerdings noch übertroffene) Stärke von ca. 50 km per Stunde.
Herübergreifen der Niederschläge über den Alpenkamm in die Föhntäler und Hinauswehen des Föhns als starkem Wind bis weit ins Mittelland hinaus stehen wohl, wie ich schon für den Föhnsturm vom 5. Januar 1919 vermutete, in ursächlichem Zusammenhang, und es stellen diese seltenen Fälle eine besonders intensive Ausbildung des Föhns dar, welche dem schon von Oswald Heer (1846) erwähnten „Dimmerföhn" entspricht, mit dem die Meteorologen bis jetzt nichts anzufangen wussten.
Quelle: Dr. R. Billwiller, MeteoSchweiz


Auszug aus dem Neujahrsblatt, herausgegeben von der Naturforschenden Gesellschaft Zürich auf das Jahr 1926

"Der Föhnsturm im obern Teile des Zürichsees bot gestern Sonntag, 15. Februar, dem Freund von Wind und Wellen manches interessante, eindrucksvolle und zum Teil seltene Bild.
Der erste, lokalisierte Einbruch des Föhns erfolgte zirka 9 Uhr morgens über Etzel-Schindellegi; anfänglich schien er Richtung nach Nordwest nehmen zu wollen,
vor und oberhalb Stäfa, im Frauenwinkel und Gubel war der See noch ruhig, als es an der Bächau und vor Richterswil bis in die Mitte des Sees bereits Gischt warf.
Von 10-12 Uhr war die hauptsächliche Stossrichtung ziemlich direkt Süd-Nord, mit böigen Zwischenspielen und tobendem Aufruhr auf den farbigen Wellen.
Zu vier Malen konnte der Schreibende prächtige „Wasserträgeten" beobachten, Gischt- und Wasserhosen von ansehnlicher Höhe und Durchmesser,
die, etwas näher dem linken als dem rechten Ufer, Hunderte von Metern weit über die Wellen stoben.
(Mit dem Fernglas glaubte man eine Drehung der Gischtsäulen im umgekehrten Uhrzeigersinne feststellen zu können.)
Um 13 Uhr frischte der Wind nach langer Atempause auf und mag um 14½ Uhr seine maximale Kraft eingesetzt haben, diesmal in der allgemeinen Richtung Südost nach Nordwest (sog. Glarnerföhn)
Mit unheimlicher Wucht fauchte er denen, die ihm Front machten, ins Gesicht, und der aufgewühlte See, taubweiss über blaugrün,
mit breiten Wellenbergen von über 1 Meter Höhe bot auf dem ernsthaften Hintergrund der Rapperswiler Burg und des klotzigen Etzelberges ein überwältigendes Bild elementarer Wildheit und unverdorbener Heimatkraft.

Die mächtigen Wellen, die sich an den Haken -brachen, und die selbst die Tüchel verdutzten, warfen Spritzwogen über 10 und mehr Meter hin,
und wo die soliden Vorlagsteine fehlten, da wurden festgemachte Boote in scheinbar wettersichern Ecken erbarmungslos gefüllt und auf Grund gesetzt.
Am Land verschaffte der unbändige Kumpan da und dort den Glasern Arbeit und erprobte sich im Ausheben von Jalousieladen, Umwerfen von Zäunen usf.
Seit dem denkwürdigen Januartag vor Jahren, da der Etzelturm energisch und formlos über den Haufen geblasen wurde, hat der Föhn hier oben kein ähnliches, schönes Wind- und Wellenfest mehr abgehalten."

Auch im untern Seebecken bei Zürich kam der See in grössten Aufruhr.
Aehnlich wie am 5. Januar 1919 wurden gegen Mittag und später über die Quaibrücke und -mauern mächtige Wasserwogen geworfen, welche die Passanten zeitweilig völlig durchnässten; die Temperatur stieg über 18° Celsius im Schatten.
Die zerstörende Gewalt des Wellenganges war an diesem Tage allerdings weitem nicht so stark, wie am 5. Januar 1919, da diesmal der See in einem Tiefstand sich befand.
Das Anemometer der Meteorologischen Zentralanstalt in 'Zürich zeigte als grösste „Windgeschwindigkeit am Mittag mehr als 16 Sekundenmeter an.(58km/h)"

Ursachen- und Ereignisanalyse / Messdaten

Eine Ereignisanalyse zu diesem Föhnsturm wurde durch Peter Stucki, Oeschger Centre for Climate Change Research and Institute of Geography, University of Bern veröffentlicht:

Vertikalschnitt der Alpen am 15 Februar 1925

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© Wetterzentrale

Schäden

Reported amounts of windfall timber in cubic meters (light gray segments) and building losses in Swiss francs (dark gray segments) per canton.
Red crosses indicate approximate locations of substantial damage as retrieved from newspaper reports.
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Quelle: A Severe Foehn Storm in 1925

Kanton Appenzell

„Im Appenzellerland führte der Südostwind schon seit Samstagabend, 14. Februar, das Regiment mit einer sturmartigen Heftigkeit, die dem Orkan vom Januar 1919 nichts nachgab.
Am Sonntag früh zwischen 4 und 7 Uhr erreichte die Windstärke den Höhepunkt.
Die Häuser wurden durch die gewaltigen Windstösse geradezu erschüttert; zahlreich stürzten die Dachziegel auf die Strasse.
Die elektrische Beleuchtung war Sonntag morgens 4 Uhr unterbrochen; mit grossem Unbehagen erwartete man die Tageshelle.
Der angerichtete Schaden ist gross. Im Dorf Appenzell ist kaum ein Haus, das nicht mehr oder weniger beschädigt ist.
Vor allem sind die Ziegeldächer überall aufgerissen, Fensterscheiben zertrümmert, Dutzende von Kaminen eingestürzt und Garten-und Feldbäume entwurzelt.
Der Oberbau des neuen Scheibenstandes ist vollständig vom Erdboden verschwunden und das grosse Kamin der Ziegelei Buschauer bis zur Hälfte abgebrochen.
Die Bezirksstrasse nach Kau, welche teilweise durch Waldgebiet führt, ist kreuz und quer mit Tannen belegt."

Quelle: Die lokalen Winde am Zürichsee von Hans Frey, Küsnacht

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Wo ist der Gaden hingekommen? Niedergelegt wurde er am Sonntag, 15. Februar 1925 von einem verheerenden Föhnsturm, der in der ganzen Schweiz,
vor allem aber im Appenzellerland zu ausserordentlich schweren Schäden an Gebäuden und in den Waldungen führte.
Ueli Alder bestätigt dies, sein Vater und dessen Bruder und noch zwei Männer vom Strüssler seien zum Schadenplatz auf der Hinteren Blattendürren geeilt, um das Vieh zu retten, das unter dem eingestürzten Gebälk eingeklemmt war.


Die «Appenzeller Zeitung» berichtete am Montag, 16.Februar 1925 auch aus Urnäsch

Urnäsch (Korr.) Und das Unglück schreitet schnell! Heulend kommt der Sturm geflogen, riesengross, hoffnungslos weicht der Mensch der Götter Stärke!
Der gestrige Sonntag, den die Annalen unserer Gemeindechronik wiederum als einen bösen Schicksalstag notieren werden, hat uns die schreckliche Wahrheit dieses Schiller’schen Wortes aufs Neue in seiner ganzen Furchtbarkeit illustriert.
Von morgens zirka 3 Uhr an durchheulte ein rasender Föhnsturm unser Tal, der in seiner unbeschreiblichen Gewalt lebhaft an den Föhnorkan vom 5.Januar 1919 erinnerte.
Ob er diesem an Macht gleichkam, wagen wir nicht zu behaupten, dagegen übertraf er ihn an Dauer.
Während er am ersten Januarsonntag 1919 schon im Laufe des Vormittages abflaute, erreichte der gestrige Sturm erst zwischen 12 und 1 Uhr mittags seinen Höhepunkt, um gegen 3 Uhr endlich nachzugeben.
Mit Schrecken und Bangen sah man dem von Stunde zu Stunde wilderen Wüten des Sturmes entgegen, und wenn je, so zeigte sich gestern wieder so recht eindringlich die menschliche Ohnmacht gegenüber den Elementargewalten.
Kein Glockengeläute, kein Gottesdienst, keine Kinderlehre, ohne die vorgesehenen Versammlungen, so feierten wir hierorts den Sonntag!
Dafür krachten die Häuser in ihren Fugen, raste Sturmwelle um Sturmwelle über Tal und Höhen, donnernd, tosend, überall Verheerungen und Schäden anrichtend.
Noch lässt sich dieser aus den bisher eingegangenen Berichten nicht annähernd abschätzen.
Aber schon das Zerstörungswerk, das bis am Sonntagabend bekannt wurde, ist wahrhaftig gross genug.
Neben zahlreichen Kaminen und Fensterläden wurden allerorts, auch im Dorfe, Ziegel zu Hunderten herabgeworfen,
Haus- und Scheunendächer, Garten- und Hühnerhäuschen, mehr oder weniger schwer beschädigt, teilweise oder ganz niedergerissen und vom Sturm weggetragen.
Besonders schwere Gebäudeschäden werden gemeldet aus der Färchen, der Fährenstetten und ihrer Umgebung, dem Tieftobel, dem Eggli und der Dürren,
wo der Sturm eine dem Landwirt Konr. Alder gehörige Scheune niederriss und das darin befindliche Vieh unter sich begrub.
Dem Vernehmen nach konnte dieses aber gerettet werden bis auf ein Stück Jungvieh, das so schwere Verletzungen erlitt, dass es abgetan werden musste..

Quelle: Hüttengeschichte des AHV-KTV St.Gallen


Kanton St.Gallen

Angefallenes Sturmholz am 15.02.1925 im Kanton St.Gallen ca. 38'000 m3
Quelle

Kanton Zug

Im Aegerital wütet ein überaus starker Föhnsturm, der bedeutenden Schaden anrichtet; er erreicht an Heftigkeit nahezu den Orkan vom Januar 1919.
Quelle

Medienlinks

Interna

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