19370520 01 Storm Alpennordseite: Unterschied zwischen den Versionen

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sich am Abend des 19. Mai in der Nähe von Algier zeigte, am frühen Morgen des 20. Mai mit seinem auf 750mm vertieften Kern zwischen Korsika, Sardinien und den Balearen lag,<br/>
sich am Abend des 19. Mai in der Nähe von Algier zeigte, am frühen Morgen des 20. Mai mit seinem auf 750mm vertieften Kern zwischen Korsika, Sardinien und den Balearen lag,<br/>
am Abend des 20. Mai sich bis zum Rhonedelta verlagert hatte und nun mit einer mittleren Geschwindigkeit von 60km/Std. in knapp 12 Stunden durch das Rhonetal und Nordfrankreich bis zur südlichen Nordsee wanderte.<br/>  
am Abend des 20. Mai sich bis zum Rhonedelta verlagert hatte und nun mit einer mittleren Geschwindigkeit von 60km/Std. in knapp 12 Stunden durch das Rhonetal und Nordfrankreich bis zur südlichen Nordsee wanderte.<br/>  
Dieses so vitale Tiefdruckgebiet zog seine lebendige Kraft aus dem Zusammenstoss maritimer Kaltluft, die von dem 19. Mai an der Westseite des bei Island liegenden Tiefs  über Island, den Golf von Biscaya und Spanien bis ins Mittelmeergebiet und nach Algerien geströmt war und dort auf eine über Tripolis und Malta nach Sardinien und die Riviera vorstossende, besonders in der Höhe ausgeprägte, warme südöstliche Strömung traf.<br/>
Dieses so vitale Tiefdruckgebiet zog seine lebendige Kraft aus dem Zusammenstoss maritimer Kaltluft, die von dem 19. Mai an der Westseite des bei Island liegenden Tiefs  über Island, den Golf von Biscaya und Spanien<br/>
bis ins Mittelmeergebiet und nach Algerien geströmt war und dort auf eine über Tripolis und Malta nach Sardinien und die Riviera vorstossende, besonders in der Höhe ausgeprägte, warme südöstliche Strömung traf.<br/>
Die rasche Verlagerung dieses Tiefdruckgebietes in nahezu süd-nördlicher Richtung hing mit der allgemein herrschenden Südwestströmung bis nach Mitteleuropa zusammen.<br/>
Die rasche Verlagerung dieses Tiefdruckgebietes in nahezu süd-nördlicher Richtung hing mit der allgemein herrschenden Südwestströmung bis nach Mitteleuropa zusammen.<br/>
Der Vorstoss des Azorenhochs erst nach Marokko, dann nach Spanien und Südwestfrankreich entsprach dem Zustrom maritimer Luftmassen aus dem Gebiet des atlantischen Ozeans.<br/><br/>
Der Vorstoss des Azorenhochs erst nach Marokko, dann nach Spanien und Südwestfrankreich entsprach dem Zustrom maritimer Luftmassen aus dem Gebiet des atlantischen Ozeans.<br/><br/>

Version vom 2. Februar 2017, 21:59 Uhr

Quick Facts

Type of Event Foehn storm
Verification State QC1
ESWD Not reported
Location North of Alps
Time / Duration Long-time event
Date 20.05.1937
Magnitude / Dimension >130 km/h
Damage -
Fatalities -
Injuries -
Report Source Historical reports, postcards, data from official weather stations
Remarks Dimmerföhn


Ereignis



Ursachen- und Ereignisanalyse / Messdaten

Auszug aus dem Neujahrsblatt, herausgegeben von der Naturforschenden Gesellschaft Zürich auf das Jahr 1938


Der Föhnsturm vom 20./21. Mai 1937
Im Mittagblatt der «NZZ» vom Freitag den 21. Mai 1937 war zu lesen:
«Schwere Stürme auf dem Vierwaldstättersee.
Seit Donnerstagvormittag wüteten im obern Teil des Vierwaldstättersees schwere Stürme.
Hohe Wellen wurden über die Uferanlagen hinweggepeitscht und richteten von Weggis bis hinauf nach Brunnen grossen Schaden an.
In Vitznau wurden etwa 50 Obstbäume entwurzelt und Telephonstangen umgelegt; hauptsächlich wurden die Kastanienbäurne mitgenommen.
Die Schiffe konnten nur mit grossen Schwierigkeiten landen. In Gersau und Brunnen mussten die Föhnhäfen angelaufen werden.
Hunderte von Wasserhosen von über Hundert Meter Höhe wurden aufgetrieben; teilweise war der See von den aufgewühlten Wassern wie mit Nebel überzogen.
Drei bis vier Wassermauern hintereinander wurden von den Winden aufgepeitscht, um im nächsten Augenblick in mächtigen Wasserstaubwolken zusammenzustürzen.
Das ganze Naturschauspiel wurde von seltenschön abgestuften Regenbogen begleitet».

Auch aus den übrigen Teilen der Schweiz liefen Meldungen über Sturmschäden und Unglücksfälle ein, die wir aus Raumgründen nicht wiedergeben können.

Gleichzeitig berichteten die Basler Zeitungen von Staubregen, der am Donnerstagmorgen um 10½ h gefallen sei.
Die «Nationalzeitung» griff sofort das Stichwort des «Saharastaubes» auf, das in den nächsten Tagen die Runde durch die schweizerische Presse machte.
Nach einer Einsendung der «NZZ» vom 22. Mai war der «gewaltige Föhnsturm vom 20. Mai begleitet von einer riesigen Verfrachtung afrikanischen Staubes über die Alpen.
Man hat solche Staubüberführungen über die Alpen bei Föhnstürmen schon wiederholt beobachtet und auch unsere Schweizer Gelehrten Dekor, Heer und namentlich Cramer
haben wiederholt über diese interessanten Naturerscheinungen geschrieben».

Die «Gotthardpost» schrieb unter dem 22. Mai:
«Eine ganze Woche lang stand die Witterung hierzulande unter dem Einfluss des Föhns. In den Feldern bekam der Boden tiefe Risse, so ausgetrocknet war die Oberfläche.
Natur und Mensch lechzten nach wohltuender Feuchtigkeit, dies ich dann endlich am Donnerstag Nachmittag am Himmel ergoss und damit auch willkommene Abkühlung brachte.
Wie immer liess der Föhn kurz vor seinem Rückzug noch die letzte Wut aus und richtete, namentlich an den Uferorten des Vierwaldstättersees erheblichen Schaden an.»


Wenden wir uns nun der Betrachtung der Wetterlage zu:

Den unmittelbaren Anlass zur Steigerung des Föhnes bis zur Orkanstärke bildete die Wanderung eines Tiefdruckgebietes, das aus der Sahara stammend,
sich am Abend des 19. Mai in der Nähe von Algier zeigte, am frühen Morgen des 20. Mai mit seinem auf 750mm vertieften Kern zwischen Korsika, Sardinien und den Balearen lag,
am Abend des 20. Mai sich bis zum Rhonedelta verlagert hatte und nun mit einer mittleren Geschwindigkeit von 60km/Std. in knapp 12 Stunden durch das Rhonetal und Nordfrankreich bis zur südlichen Nordsee wanderte.
Dieses so vitale Tiefdruckgebiet zog seine lebendige Kraft aus dem Zusammenstoss maritimer Kaltluft, die von dem 19. Mai an der Westseite des bei Island liegenden Tiefs über Island, den Golf von Biscaya und Spanien
bis ins Mittelmeergebiet und nach Algerien geströmt war und dort auf eine über Tripolis und Malta nach Sardinien und die Riviera vorstossende, besonders in der Höhe ausgeprägte, warme südöstliche Strömung traf.
Die rasche Verlagerung dieses Tiefdruckgebietes in nahezu süd-nördlicher Richtung hing mit der allgemein herrschenden Südwestströmung bis nach Mitteleuropa zusammen.
Der Vorstoss des Azorenhochs erst nach Marokko, dann nach Spanien und Südwestfrankreich entsprach dem Zustrom maritimer Luftmassen aus dem Gebiet des atlantischen Ozeans.




Der Bogen der Westalpen setzte dem Abströmen der Luft aus der Poebene nach Westen ein starkes Hemmnis entgegen.
So konnte sich südlich des Alpenkammes trotz dem starken Luftdruckgradienten in der Richtung zum Rhönedelta hin der Überdruck halten.
Die allgemeine Wetterlage Europas wird demnach vom 19. bis zum 21. Mai durch das südlich von Island gelegene Tiefdruckgebiet bestimmt, das aus dem über der Adria und dem östlichen Mittelmeergebiet gelegene Hochdruckgebiet warme Tropikluft ansaugt, sich dadurch allmählich ausfüllt unter gleichzeitiger Abspaltung mehrerer kleinerer Tiefdruckgebiete, die in östlicher Richtung abwandern.
Das Azorenhoch schiebt sich gleichzeitig über Marokko und Algier im Norden bis zu den Pyrenäen vor, sodass der bereits mehrfach erwähnte Tiefdruckwirbel aus den nördlichen Teilen der Sahara mit Saharastaub mit sich führender Luft durch maritime Luft längs der Grenze der über Südost- und Mitteleuropa heranströmender Tropikluft nach Norden gedrängt wird.
Im Mittelmeergebiet hat der Vorstoss der aharaluft am 19./20. Mai Oststürme zur Folge. Auch steigt die Temperatur schroff an trotz mangelnder Einstrahlung.
Die Verteilung des Luftdruckes über der Schweiz lässt zwar über dem nordwestlichen Teil der Schweiz hohen und im nordwestlichen Teile tiefen Luftdruck erkennen.
Aber die Kurven gleichen Luftdruckes sind am Alpenkamm keineswegs so dicht gedrängt, wie man bei einem «typischen» Föhn erwarten würde.
Dagegen erfolgt der allgemeine Fall des Luftdruckes sehr rasch; sowohl nördlich als südlich der Alpenkette vom Mittag des 20. Mai bis zum Abend sinkt der Luftdruck im Durchschnitt um 3-4 mm.
Allerdings setzt nördlich des Alpenwalles der Druckfall wesentlich früher als im Tessin ein, ebenso beginnt auf der nördlichen Seite der Alpen der Luftdruck früher wieder zu steigen.
Im Gegensatz zum Alpentalföhn am 10. November 1934 sind die lokalen Tiefdruckgebiete in den ausgesprochenen Föhntälern nur undeutlich zur Ausbildung gelangt, das heisst, der Südwind streicht zum Teil über die Täler weg.
Auch die Verteilung der Temperatur und der relativen Feuchtigkeit entspricht schon am Abend des 20. Mai nicht mehr dem Bilde eines typischen Alpentalföhnes, da in den meisten Föhntälern mit Ausnahme der Ostschweiz Regen und damit Abkühlung einsetzt.
Die Bewegung des Luftdruckes vollzieht sich im Mittelland wie der Vergleich der Barogramme von Interaken, Luzern und Zürich erkennen lässt, im gleichen Rhythmus.
Um so auffälliger ist die Tatsache, dass in Altdorf, das mitten in der Föhnströmung lag, der Luftdruck zeitlich viel früher als in Luzern wieder ansteigt, als ob eine Welle höheren Luftdruckes sich vom Gotthard her ins Reusstal vorgeschoben hätte.
Das Barogramm der meteorologischen Anstalt von Zürich zeigt, wie unruhig, geradezu turbulent der Zustand der Atmosphäre am 20. Mai war.
Das Barogramm der Säntisstation konnte nicht zum Vergleich herangezogen werden, weil zum mindesten ein Teil der Aufzeichnung des Barographen durch die starken Erschütterungen des Gebäudes der Säntisstation gestürzt worden ist.
Nicht minder deutlich prägt sich der stossartige, böenhafte Charakter des Alpenvorlandföhns am 20. Mai in den Thermo und Hygrogrammen, sowie in den Aufzeichnungen über Windrichtung und Windstärke der Zürcher Station aus.
Trotzdem genügen die vorliegenden Beobachtungsdaten keineswegs,um ein wirklich zuverlässiges Bild der Luftströmungen während des Föhnsturmes vom 20. und 21. Mai zu vermitteln.
Eine Untersuchung der Föhnströmungen kommt mit bodennahen Messungen nicht aus.
Nur durch gleichzeitige Beobachtung des Zustandes der Luftverhältnisse in verschiedenen Niveauhöhen über der Erdoberfläche im Mittelland und im Alpengebiet liesse sich die Schichtung der Luftmassen abklären.
Am 19. und 21.Mai liegen bloss entsprechende aerologische Messungen der Münchner Flugwetterwarte vor, Messungen, die in den untern Schichten am 19. Mai deutlich den Einfluss der Föhnströmung erkennen lassen.
Es ist zu hoffen, dass in Zukunft auch in der Schweiz während einer Föhnlage entsprechende aerologische Messungen im Mittelland, auf einigen Gipfelstationen und in den eigentlichen Föhntälern vorgenommen werden können.
Offenbar werden die unter Leitung von W. Mörikofer in den letzten Jahren in den Kantonen Glarus und Graubünden zum Teil mit Hilfe von Pilotballonaufstiegen durchgeführten Föhnuntersuchungen neue Ergebnisse zeitigen. Leider ist es uns nicht möglich, über diese noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen auch nur referierend zu berichten, da die Ergebnisse, wie uns Herr Dr. W. Mörikofer freundlicherweise mitteilte, noch nicht für die Veröffentlichung freigegeben werden konnten.
(In Glarus wurde durch Registrierapparate die Luftdruckschwankungen, die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Windrichtung, die Windstärke und die Abkühlungsgrösse gemessen.
Besondere Beobachtungsreihen dienten der Feststellung der luftelektrischen Verhältnisse. Pilotballon aufstiege wurden in Glarus und in Elm vorgenommen.
Thermohygrografen waren ausser in Glarus auch in Schwändi, Linthal, Elm, Ziegelbrücke und Braunwald aufgestellt.)




© Wetterzentrale

Schäden



Kanton Glarus

Im Kanton Glarus machte sich der Föhn am stärksten im unteren Kantonsteil bemerkbar.
Von Glarus aus gesehen stand die Freibergkette in einem von «Sprühregen durchsetzten grauen Dämmer».
Der warme Regen fiel zeitweise selbst in Glarus, wo um 19h auch ein Regenbogen zu beobachten war. Um 17h mass man in Glarus 27°C.
Am 31. Mai führte in den «Glarner Nachrichten» ein Förster einen Waldschaden durch den Föhnsturm vom 20. Mai an,
der grösser sei als der «gesamte Anfall von windgeworfenem Holz».
Besonders an Buchen und Lärchen seien durch die heftige gegenseitige Verpeitschung der Zweige und die Trockenheit des Föhnsturmes
auf der Windseite der Baumkronen die jungen Blattriebe zerstört worden.

Kanton Appenzell

Aus dem Kanton Appenzell wird eine besondere Trübung der Luft am Donnerstag und Freitagmorgen, vor allem in der Richtung des Säntisgebirges gemeldet.
An den Fensterscheiben sei ein ungewohnt schmutziger Niederschlag zu beobachten gewesen («Appenzeller Zeitung» 24. Mai).
Auf dem Säntis seien verschiedene Instrumente der Wetterwarte beschädigt worden, das Blechdach des Restaurants sei aufgerissen und weggedrückt worden.
Die Windstärke habe zeitweise bis 40m/Sek. betragen. (144km/h Mittelwind)

Kanton Graubünden

In Arosa wurde gelblicher Staubschneefall beobachtet. Am Donnerstag waren die Lücken des Föhnhimmels nicht blau, sondern violettgrau.
Die Sonne schien nur matt. In der Nacht wurden stille elektrische Entladungen beobachtet.
Der Regen brachte braune Schlammspritzer. Am Nachmittag des 21. Mai drängten direkt «rotgelbe Staubschwaden über die Wetterecke des Rothorns ins Aroser Tal herein»
(Der «Freie Rätier». 22. Mai 37. Dr. P. Götz.).

Medienlinks

Interna

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